Trotz PlagiatsvorwürfenHegemann für Buchpreis nominiert
Obwohl sich "Axolotl Roadkill"-Autorin Hegemann für ihr Buch etwas zu stark von Romanen, Blogs und Kurzfimen hat inspirieren lassen, ist sie für den Leipziger Buchpreis nominiert worden.
Die junge Bestseller-Autorin Helene Hegemann (17) ist trotz der Plagiatsvorwürfe gegen sie für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert worden. Die Jury teilte am Donnerstag mit, dass Hegemann zusammen mit Jan Faktor, Georg Klein, Lutz Seiler und Anne Weber in der Kategorie "Belletristik" ins Rennen um die begehrte Auszeichnung geht.
Die Nachwuchsautorin hatte eingeräumt, Passagen ihres Überraschungshits "Axolotl Roadkill" aus dem Roman oder Blog eines anderen Autors übernommen zu haben. Am Donnerstag wurden weitere Vorwürfe gegen sie laut.
Teske erkenne "frappierende Ähnlichkeiten"
Danach hat der junge deutsche Regisseur Benjamin Teske "frappierende Ähnlichkeiten" zwischen seinem Kurzfilm "Try a Little Tenderness" und einer im Szene-Magazin "Vice" abgedruckten Geschichte von Hegemann festgestellt. Wie das Magazin auf seiner Internetseite berichtete, hatte Hegemann vor der Veröffentlichung allerdings gebeten, den Text Benjamin Teske zu widmen. Dies war jedoch nicht geschehen.
Die Leipziger Preisrichter hatten Hegemann nach Angaben von Jury-Chefin Verena Auffermann bei einer internen Sitzung nominiert, als die Vorwürfe noch nicht bekannt waren. Das Gremium bleibe jedoch bei dieser Entscheidung, sagte Auffermann der Deutschen Presse-Agentur. Hegemanns Verlag habe bestätigt, dass im Urheberrechtsstreit "alles einen ordentlichen Weg geht".
Der Ullstein-Verlag, in dem "Axolotl" erschien, bemüht sich derzeit um eine nachträgliche Abdruckgenehmigung für die umstrittenen Passagen. Welchen Umfang die Übernahmen haben, ist noch nicht abschließend geklärt.
Weitere Nominierungen
Auffermann sagte, bei der Diskussion um Hegemanns Debüt dürfe nicht vergessen werden, dass für den Buchpreis auch noch weitere "außerordentlich interessante und bemerkenswerte Neuerscheinungen" gewählt wurden. So sei "Die Zeitwaage" von Lutz Seiler ein "unglaubliches Buch von allerhöchster literarischer Qualität". "Luft und Liebe" von Anne Weber bezeichnete Auffermann als "leicht und geistreich".
Georg Klein habe mit seinem "Roman unserer Kindheit" ein monströses Werk geschaffen, das in der bekannt wuchtigen, grellen und zugleich dunklen Sprache des Autors verfasst sei. "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag" von Jan Faktor schließlich seien 600 Seiten voller Schallkraft der Poesie mit "überschäumender Sprachlust und Komik", sagte die Jury-Chefin.
Der Preis für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen und Übersetzungen wird auf der kommenden Leipziger Buchmesse (18. bis 21. März) zum sechsten Mal vergeben. Er ist mit 45.000 Euro dotiert. Die Summe wird auf die Gewinner der drei Kategorien - neben "Belletristik" noch "Sachbuch/Essayistik" und "Übersetzung" - aufgeteilt. 760 Werke wurden eingereicht.