Dienstag, 03. Juni 2008
Dresdner Brückenstreit: Hilferuf an Merkel
Wenige Wochen vor dem drohenden Verlust des UNESCO-Welterbetitels für das Elbtal in Dresden haben namhafte deutsche Künstler Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Hilfe gebeten. In einem offenen Brief rufen sie die Kanzlerin auf, alles dafür zu tun, um irreparablen Schaden am einmaligen Dresdner Erbe und am Ruf Deutschlands als Kulturnation zu verhindern.
Zu den Unterzeichnern gehören die Schriftsteller Günter Grass, Martin Walser, Durs Grünbein, Christoph Hein und Thomas Rosenlöcher, der Schauspieler Rolf Hoppe, der Regisseur Wim Wenders sowie der Präsident der Akademie der Künste Berlin, Klaus Staeck.
In dem Brief heißt es, der Ruf der Kulturnation würde nachhaltig beschädigt, sollte die UNESCO Dresden den Titel aberkennen. Dieses Szenario scheine angesichts der starren Haltung sächsischer Politiker immer wahrscheinlicher. Der Bau der Waldschlösschenbrücke in Dresden sei aber keine regionale Angelegenheit, sondern betreffe ganz Deutschland. Die Unterzeichner erklärten, der Name der Bundesrepublik sei in der Welt auch mit herausragenden Leistungen in Kunst und Kultur verbunden werde. "Wir befürchten, dass der bisher nicht gestoppte Frevel an einem einzigartigen Kulturerbe wie dem des Dresdner Elbtals vieles von diesem Ansehen zunichte macht."
Brücke verschandelt Kulturlandschaft
Das Welterbekomitee hat damit gedroht, Dresden bereits auf seiner nächsten Sitzung im kanadischen Quebec im Juli von der Liste der Welterbestätten zu streichen. Die Brücke verschandelt nach Ansicht der Experten eine einmalige Kulturlandschaft. Gegen den Bau eines Tunnels hat die UN-Organisation keine Bedenken.
Mehrere Bürgerinitiativen wollen einen Bürgerentscheid durchsetzen, damit die Dresdner über einen Tunnel abstimmen können. Ob der zulässig ist, ist aber umstritten. Sachsens neuer Regierungschef Stanislaw Tillich dringt wie sein Vorgänger Georg Milbradt (beide CDU) auf die Fertigstellung der Brücke. Mit dem Bau ist Ende 2007 begonnen worden.
Derzeit sind am Verwaltungsgericht Dresden noch 16 Klagen gegen die Brücke anhängig. Über die Klagen dreier Naturschutzverbände soll am 19. Juni entschieden werden. Sie machen den Schutz der bedrohten Fledermausart Kleine Hufeisennase geltend. Andere Kläger befürchten Verkehrslärm und Schadstoffbelastungen. Zudem geht es um mögliche Grundstücksenteignungen.
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