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Sie sind lästig, rauben den Schlaf und kommen bald in Scharen: Stechmücken.
Sie sind lästig, rauben den Schlaf und kommen bald in Scharen: Stechmücken.(Foto: picture alliance / dpa)

Was gegen die Insekten hilft: Nach der Flut kommen die Mücken

Von Diana Sierpinski

Erst das Wasser, dann die Mücken: In den Überschwemmungsgebieten müssen sich die Menschen wohl bald auf eine Insektenplage einstellen. Die durchweichten und von der Sonne erwärmten Flächen sind die ideale Kinderstube für die lästigen Blutsauger. Wie schützt man sich gegen die kleinen Quälgeister?

Wer das Pech hat, eine Schweiß-Zusammensetzung zu haben, auf die Mücken fliegen, wird öfter gestochen.
Wer das Pech hat, eine Schweiß-Zusammensetzung zu haben, auf die Mücken fliegen, wird öfter gestochen.(Foto: dpa-tmn)

Sie surren, stechen, saugen, nerven. Schon ein einziges Exemplar im Schlafzimmer kann uns den wohlverdienten Schlaf rauben. Die gemeine Stechmücke ist alles andere als ein gern gesehener Hausgast. Ganz im Gegenteil. Die Beziehung zwischen Mücke und Mensch ist von jeher belastet und könnte sich schon bald stark intensivieren. Denn das Hochwasser verwandelt weite Teile Deutschlands in ein riesiges Mückenparadies. Feuchte Senken, soweit das winzige Insektenauge reicht. Dazu Wärme und keine Fische. Paradiesische Bedingungen also für alle Mücken-Weibchen, um ihre Eier abzulegen. Wieder und wieder. Bei warmem Wetter schlüpfen die lästigen kleinen Blutsauger wie am Fließband. Ein Weibchen legt bis zu 300 Eier. Diese entwickeln sich innerhalb von ein bis zwei Wochen zu flugfähigen Insekten und gehen dann mit ihren Gefährtinnen kontinuierlich auf Blutsuche. Vor allem im Juni und Juli erwarten die Experten eine regelrechte Invasion.

Was also tun, wenn die unliebsamen Insekten in Scharen einfallen? Die einen schwören auf den Mückenschutz durch Geranien oder Lavendelduft, andere raten zum Verzehr von Knoblauch oder Vitamin B.. Mückenforscher sind sich allerdings darüber einig, dass diese Mittel nutzlos sind. Bisher konnte keine wissenschaftliche Studie einen Schutzeffekt nachweisen. Auch Geräte, die Mücken angeblich durch Hochfrequenztöne abhalten, seien wirkungslos, denn Mücken sind taub, sagt Mückenforscher Claus Zebitz. Viele wissenschaftliche Tests belegen, dass die Apparate nichts bringen. Und auch von elektrisch betriebenen Verdampfern mit Insektiziden raten Experten vehement ab. Sie enthalten in der Regel die Chemikalie Permethrin. Zumindest vorübergehend könne der Dampf die Atemwege beeinträchtigen und die Schleimhäute reizen.

Fliegengitter und Moskitonetz

Das A und O der Mückenabwehr ist es, den Einflug zu verhindern. Fliegengitter oder Moskitonetze sind hilfreich. Um den Mückenweibchen keine Brutstätten rund ums Haus bieten, ist es wichtig, Regenfässer abzudecken und auf offene Wasserstellen ein paar Tropfen Öl gießen, die sich auf der Oberfläche verteilen. Auch locker sitzende Kleidung hilft. Durch eng anliegende Stoffe stechen sie leicht hindurch. Mücken mögen Dunkelheit und meiden eher helle Kleidung. Bei heißem Wetter sollte man durchgeschwitzte Sachen öfter wechseln und häufiger duschen. Stechmücken orientieren sich nämlich entgegen dem Volksglauben nicht am "süßen Blut" der Menschen, sie riechen die im Schweiß enthaltenen Säuren und das Kohlendioxid, das wir über Haut und Atem abgeben. Wer das Pech hat, eine Schweiß-Zusammensetzung zu haben, auf die Mücken fliegen, wird öfter gestochen. Deshalb ist es auch wenig sinnvoll, nur im Dunklen zu lüften. Licht zieht zwar fliegende Insekten an, aber Mücken finden ihre Opfer anhand des Geruchs auch ohne Beleuchtung.

Stechmücken mögen keine Luftbewegung. Daher hilft es, einen Ventilator aufzustellen, der dafür sorgt, dass leichter Wind über das Bett oder den Balkon streicht. Im Freien halten Aromalampen mit ätherischen Ölen Stechmücken fern. Vom regelmäßigen Verdampfen von ätherischem Öl in Innenräumen raten Experten dagegen ab. Den besten Schutz vor Mückenattacken bietet gemäß vielen Studien der Wirkstoff Deet. Sprays mit 5 Prozent Deet schützen laut Tests 90 Minuten lang, Mittel mit 30 Prozent Deet-Anteil bis zu 6 Stunden. Höhere Konzentrationen bieten nicht mehr Schutz. Andererseits können diese Präparate Nebenwirkungen wie Kribbeln hervorrufen.

Stinkende Socken ziehen an

Als natürliche Alternative taugt Zitronenellenöl. Laut kanadischen Tests verfliegt dessen Wirkung aber in weniger als 60 Minuten. Bei einer akuten Mückenplage empfiehlt Experte Zebitz zur Ablenkung stinkende Socken möglichst weit weg von sich aufzuhängen.

Aber auch wenn die Plagegeister lästig sind, um ihre Gesundheit müssen sich die Anwohner in den betroffenen Gebieten nicht sorgen. Darauf weist Nikolaus Frühwein von der Bayerischen Gesellschaft für Immun-, Tropenmedizin und Impfwesen hin. Theoretisch könnten die stechenden Insekten zwar auch in Deutschland tropische Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber übertragen. Aber dazu müsste es hierzulande etliche Menschen geben, die die Erreger in sich tragen und von Mücken gestochen werden, die ihrerseits andere Menschen mit den Erregern infizieren, erläutert Frühwein. Das sei aber unwahrscheinlich.

Übrigens: Wer schon gestochen worden ist, sollte sich möglichst wenig kratzen, auch wenn es noch so sehr juckt, raten Experten. Der Juckreiz lässt sich lindern, indem man sich mit einer aufgeschnittenen Zwiebel oder Essig einreibt. Abschwellend wirken auch kühlende Salben und Gele aus der Apotheke.

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Quelle: n-tv.de