Montag, 08. März 2010
Traumhochzeit in Washington : Homo-Ehen beflügeln Wirtschaft
Ab dem 9. März können sich Homosexuelle in der US-Hauptstadt offiziell trauen lassen. Oft haben sie sehr lange darauf gewartet. Glücksgefühle - nicht nur bei den Paaren.
Candy Holmes (re) und Darlene Garner freuen sich vor dem Gericht in Washington, dass sie in der US-Hauptstadt bald heiraten dürfen.
(Foto: dpa)
Wenn am 9. März in Washington die ersten homosexuellen Paare dank eines neuen Gesetzes offiziell heiraten dürfen, könnte neben Glücksgefühlen auch die Wirtschaft der US-Hauptstadt wachsen. Experten erwarten, dass sich die Homo-Ehe für die Geschäftswelt lohnen wird. Von einem Hochzeitsboom profitieren Juweliere und Blumengeschäfte oder Partyservice-Unternehmen und Fotografen. Das Eheglück dürfte nach den Prognosen der kalifornischen Denkschmiede "Williams Institut" auch die Tourismusbranche beflügeln. "Diese Paare haben teilweise 20 Jahre darauf gewartet zu heiraten", sagt Fotograf Michael Kress aus dem Washingtoner Vorort Bethesda. "Jetzt wollen sie nicht noch mehr Zeit verstreichen lassen." Kress erwartet einen regen Andrang für sein Studio. Die ersten Buchungen gibt es bereits. Und nicht nur bei ihm.
Mitarbeiter des "Williams Instituts" schätzen, dass bereits in den nächsten drei Jahren die gleichgeschlechtlichen Hochzeiten der Hauptstadt bis zu 52,2 Millionen Dollar in Einzelhandel und Tourismusbranche spülen werden. Andere Institute erwarten einen ähnlich hohen Gewinn für die Stadt mit der amerikaweit höchsten Homosexuellen-Quote. "Millionen von Dollar werden für Hochzeiten ausgegeben, die ohne das neue Gesetz zur Homo-Ehe gespart werden würden", sagte Institutsleiter Lee Badgett.
Branche nutzt den Auftrieb
Dabei gehen seine Mitarbeiter davon aus, dass sich nicht nur knapp 2000 gleichgeschlechtliche Paare aus der Hauptstadt dort das Jawort geben. Sie erwarten, dass weitere 12.000 homosexuelle Paare aus anderen US-Regionen nach Washington strömen, um sich dort trauen zu lassen. Allein das könnte dem Distrikt rund fünf Millionen Dollar an Steuereinnahmen bringen.
Auch Fotografen wie Kress versuchen, den Auftrieb durch die baldigen Hochzeiten zu nutzen. Zusammen mit anderen Unternehmern verlost er auf der Internetseite "Freedom 2 Wed" eine kostenlose Traumhochzeit für ein gleichgeschlechtliches Paar. Inklusive Ringe, Zeremonie, Dekoration, Verpflegung - das "rundum-sorglos-Paket". Damit will Kress auch ein Zeichen gegen die Diskriminierung setzen. "Interessierte Paare müssen mit einem Essay und einem Kurzvideo zeigen, was sie besonders macht", sagt der Fotograf.
Auch seinen Internetauftritt will Kress überarbeiten. Bisher zeigt er nur Bilder von heterosexuellen Paaren auf der Firmenseite. Sobald sein Team die ersten gleichgeschlechtlichen Eheschließungen fotografiert hat, werden die Bilder dann "gemischt". Gemischt, so fürchten Marktstrategen auch, könnte die Resonanz der Kunden auf den neuen Heiratsboom sein. Gegner der Homo-Ehe könnten Geschäfte boykottieren, die offensiv mit Angeboten für gleichgeschlechtliche Paare werben.
Kirsten Krumrey, dpa
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