Panorama

Nach AmoklaufHunderte Trittbrettfahrer

21.03.2009, 13:49 Uhr

Der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen hat bundesweit hunderte Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen. Einige wurden bereits verurteilt.

Der Amoklauf von Winnenden und Wendlingen hat bundesweit hunderte Trittbrettfahrer auf den Plan gerufen. Vor allem Jugendliche drohten damit, dem Amokläufer nachzueifern und an ihrer Schule ein Blutbad anzurichten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den Landesbehörden ergab.

Häufig fanden sich die Drohungen im Internet, in der Regel wurden die Urheber der Drohungen schnell ermittelt. In Schnellverfahren wurden mehrere Jugendliche bereits verurteilt. Im Extremfall können für eine Amokdrohung bis zu drei Jahren Haft verhängt werden.

Selbst in der Umgebung von Winnenden verzeichneten die Behörden unmittelbar nach der Tat einen rasanten Anstieg an Amokdrohungen. Insgesamt wurden in Baden-Württemberg 102 solcher Taten erfasst, in 76 Fällen war der Täter innerhalb kürzester Zeit ermittelt. In Nordrhein-Westfalen sprach das Innenministerium von mehr als 130 Trittbrettfahrern, in Bayern waren es mehr als 70, in Niedersachsen mehr als 60, in Rheinland-Pfalz rund 50 und in Berlin rund 20.

"Immer das volle Programm"

"Die Polizei fährt in diesen Fällen immer das volle Programm mit Hausdurchsuchungen", sagte ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums. Die Kosten für solche Großeinsätze müssten die Urheber oft ein Leben lang abbezahlen, betonte sein bayerischer Kollege. Pro Polizist und Einsatzstunde würden 45 Euro in Rechnung gestellt.

Eine Amokdrohung sei kein dummer Streich, betonte das brandenburgische Innenministerium. "Das ist absolut der falsche Weg, um auf Probleme aufmerksam zu machen", sagte ein Sprecher. Die Trittbrettfahrer hätten Eltern, Lehrer und Schüler oft in große Angst versetzt. Die Täter wollten sich für kurze Zeit Aufmerksamkeit verschaffen, bedächten aber nicht die Konsequenzen, die auf sie zukämen, sagte ein Ministeriumssprecher in Sachsen-Anhalt.

Mehrere Urteile

Auch die Gerichte reagierten ein einigen Fällen schnell, um ein Zeichen zu setzen. In Halberstadt in Sachsen-Anhalt wurde ein 22- Jähriger nur sieben Stunden nach einer Amokdrohungen in einem Blitzprozess zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Auch ein 24-Jähriger aus Baden-Württemberg bekam bereits eine Bewährungsstrafe von fünf Monaten. In Remscheid hatte ein Jugendrichter im Schnellverfahren einen 16 Jahre alten Hauptschüler wegen der Androhung eines Amoklaufs zu zehn Tagen Arrest verurteilt. In Potsdam muss ein Jugendlicher für eine Woche in Dauerarrest.

Die Behörden hoffen, dass diese Präzedenzfälle abschreckend auf mögliche Trittbrettfahrer wirken. Die Polizei rechnet zugleich damit, dass die Zahl der Taten deutlich zurückgeht, wenn in den nächsten Wochen das Medieninteresse am Amoklauf von Winnenden abnimmt.