Pumpen laufen auf HochtourenKampf um die "Nordlys"

Die Passagiere bekommen den Reisepreis erstattet - doch für die Hurtigruten-Reederei wird das Unglück der "Nordlys" erst dann richtig teuer, wenn das Schiff im Hafen untergeht. Experten versuchen mit aller Kraft, das Sinken zu verhindern.
Nach dem Feuer auf einem norwegischen Passagierschiff kämpfen Spezialisten in einem Wettlauf mit der Zeit gegen das Kentern der "Nordlys". Bei dem gefährlichen Einsatz schafften sie es, das Schiff im Hafen von Ålesund zu stabilisieren. Wie der Sender NRK berichtete, installierten vier niederländische Techniker bei starker Schlagseite vier Pumpen im Schiffsrumpf. So konnte Wasser abgepumpt werden. Das Schiff drohte vollzulaufen, zu kippen und zu sinken.
Der Chef der Hurtigruten-Reederei, Olav Fjell, sagte: "Es läuft immer noch Wasser ein. Aber wir pumpen größere Mengen heraus. Die Entwicklung heute ist ausgesprochen positiv gewesen." Nach Angaben des Einsatzleiters der Polizei, Jon Steven Hasseldahl, ging die Schlagseite der "Nordlys" auf 16 Grad zurück. Die Gefahr eines Kenterns sei aber noch nicht endgültig gebannt.
Bei dem Brand kamen am Donnerstag zwei Besatzungmitglieder ums Leben, die 207 Passagiere konnten in Sicherheit gebracht werden.
Trotz der Erfolge wurde auch die Katastrophenbereitschaft für eine mögliche Ölpest im Hafen von Ålesund aufrechterhalten. Nach ersten Angaben der Polizei würde es bei einem Kentern etwa eine Stunde dauern, bis das Schiff sinkt. Die "Nordlys" sollte, wenn alles gut geht, in ein Trockendock geschleppt werden. Der Versuch, ein Loch im Schiffsrumpf abzudichten, war in der Nacht zu Freitag gescheitert, wie das Fernsehen berichtete. Inzwischen stabilisiert ein schwimmender Kran das Schiff.
Die norwegische Havarie-Inspektorin Elisabeth Ramos sagte zum Einsatz der holländischen Experten: "Der Einsatz im Rumpf ist gefährlich. Ich hätte das wohl nicht gemacht. Man weiß nie, wann das Schiff kentern kann." Wegen der zeitweise bedrohlich zunehmenden Schlagseite wurden die Arbeiten zum Abpumpen des einlaufenden Wassers vorübergehend eingestellt. Alle Helfer mussten das Schiff verlassen.
Explosion im Maschinenraum
Das Schiff der Reederei Hurtigruten war beim Anlaufen des westnorwegischen Hafens Ålesund in Brand geraten. 16 Menschen erlitten Verletzungen, darunter zwei Deutsche. Vermutlich war eine Explosion im Maschinenraum Schuld an dem Unglück.
Nach Ausbruch des Feuers konnten alle 207 Passagiere sicher an Land gebracht werden. Hurtigruten ist bei deutschen Kreuzfahrt-Touristen vor allem für seine Fahrten durch die spektakuläre norwegische Fjordlandschaft bekannt. An Bord der "Nordlys" waren nach Angaben des Auswärtigen Amtes 41 Deutsche.
Die Reederei des havarierten Schiffes organisiert jetzt die Heimreise für die Passagiere. Sie würden an Land von einem Hurtigruten-Team betreut und mit Kleidung, Reisedokumenten und Bargeld sowie Internet- und Telefonzugängen versorgt, teilte eine Unternehmenssprecherin mit. Die Fahrgäste sollen den Reisepreis komplett erstattet bekommen. Bei einer neuen Buchung würden sie einen Nachlass von 30 Prozent bekommen, hieß es.