Donnerstag, 27. August 2009
Debatte nach Metro-Restauration: Inschrift verherrlicht Stalin
Eine pro-stalinistische Inschrift in der Moskauer Metro hat in Russland laute Proteste hervorgerufen. Der Chef der oppositionellen Jabloko-Partei, Sergej Mitrochin, bezeichnete es als "skandalös", dass in der restaurierten Haltestelle Kurskaja seit Dienstag wieder ein lobender Satz über den ehemaligen sowjetischen Diktator aus den 50er Jahren zu lesen ist. "Der Stalinismus war ein riesiger Völkermord", kritisierte er. Die bekannte Menschenrechtsaktivistin Ljudmila Alexejewa forderte, die Inschrift zu entfernen.
"Stalin hat uns zur Treue zur Nation erzogen und uns zu Arbeit und großen Taten inspiriert", heißt es in der Inschrift.
(Foto: AP)
"Stalin hat uns zur Treue zur Nation erzogen und uns zu Arbeit und großen Taten inspiriert", steht in der Eingangshalle der Metrostation, die nach der Restauration am Dienstag wiedereröffnet worden war. Der Satz stammt ursprünglich aus einer frühen Fassung der sowjetischen Nationalhymne. Die Inschrift war zu Zeiten des Regierungschefs Nikita Chruschtschow in den 60er Jahren entfernt worden. Die Restaurateure stellten die Metrostation nun aber bis ins Detail so wieder her, wie sie in den fünfziger Jahren ausgesehen hatte.
Drittbeliebtester russischer Held
Die Moskauer könnten jetzt exakt die gleiche Eingangshalle betrachten, die bereits ihre Väter und Großväter vor Augen gehabt hätten, zitierte die Zeitung "Wremja Nowostei" den Chef der Metro. Nach offiziellen Angaben soll die umstrittene Inschrift nicht den Personenkult um den ehemaligen Diktator wiederbeleben. Es handele sich lediglich um ein Detail der historischen Eingangshalle.
Ministerpräsident Wladimir Putin hege Sympathien für Josef Stalin, sagte dagegen Alexejewa. So lange Russland nicht begreife, dass Stalin für "Diktatur, Terror und Lügen gegen sein eigenes Volk" stehe, könne aus dem Land kein demokratischer Rechtsstaat werden, fügte sie hinzu. Stalin erfreut sich in Russland trotz der unter seiner Herrschaft verübten Verbrechen großer Beliebtheit: Fernsehzuschauer wählten ihn in einer Liste der "Helden" der russischen Geschichte auf Platz drei.
AFP
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