Panorama

Rückkehr nur noch unter AufsichtJapan macht Sperrzone dicht

21.04.2011, 08:39 Uhr
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Straßenkontrolle an der Sperrzone zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima. (Foto: dpa)

Sechs Wochen nach der Havarie des Kernkraftwerks Fukushima beginnt die japanische Regierung damit, den Zutritt zur Evakuierungszone zu beschränken. Nur noch einmal für höchstens zwei Stunden soll ein Besuch im eigenen Haus genehmigt werden. Ein Umkreis von 3 Kilometern um die Atomruine darf gar nicht mehr betreten werden.

Japan hat das Evakuierungsgebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das havarierte Atomkraftwerk Fukushima zur Sperrzone erklärt. Ministerpräsident Naoto Kan verkündete die Entscheidung bei einem Besuch in der von der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe verwüsteten Region im Nordosten des Landes. Kan will sich bei seinem Besuch in der Region unter anderem mit Evakuierten in Notunterkünften treffen.

Das Verbot, die Zone zu betreten, soll nach Angaben der Regierung in der Nacht zum Freitag in Kraft treten. Polizisten trafen bei der Inspektion von mehreren tausend Häusern 60 Familien an, die nach wie vor in dem Gebiet lebten. Regierungssprecher Yukio Edano sagte, die Bewohner seien aufgefordert worden, die Gegend zu verlassen, da ein erhebliches Risiko für ihre Gesundheit bestehe.

Höchstens zwei Stunden

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Eine Aufnahme aus dem Reaktor 3 des Kernkraftwerks Fukushima. (Foto: Reuters)

Rund 80.000 ehemalige Bewohner, die das Erdbeben und den Tsunami vom 11. März überlebt haben, sind von dem Verbot, die Sperrzone zu betreten, betroffen. Von ihnen soll ein Mitglied pro Familie die Erlaubnis bekommen, einmal für höchstens zwei Stunden zurückzukehren und persönliche Sachen aus dem Haus zu holen.

Die Betroffenen sollen dabei Schutzkleidung tragen und Geräte zur Messung von Radioaktivität mitnehmen. Sie sollen in Gruppen mit Bussen ins Sperrgebiet gebracht werden. Ausgenommen von der Erlaubnis sind Familien, die in einem Umkreis von drei Kilometern um das Kraftwerk lebten. Sie dürfen dieses Gebiet überhaupt nicht mehr betreten.

Stabilisierung frühestens in sechs Monaten

Die erste Phase der Rückkehraktion solle "in wenigen Tagen" beginnen und etwa ein bis zwei Monate dauern, hieß es. Der Atombetreiber Tepco hatte zuvor bekanntgeben, dass mit einer Stabilisierung der Lage im AKW frühestens in sechs bis neun Monaten zu rechnen sei. Noch immer hausen 136.000 Menschen im Katastrophengebiet in Notunterkünften.

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Uhrengeschäft in der evakuierten Stadt Futaba. (Foto: AP)

Bereits zuvor war das Gebiet zur Sperrzone erklärt worden, es gab jedoch keine strengen Kontrollen. Daher kehrten immer wieder Menschen an ihren ehemaligen Wohnort zurück, um Habseligkeiten und Erinnerungsstücke zu bergen. Durch das verheerende Erdbeben und den darauffolgenden Tsunami vom 11. März war die Atomanlage Fukushima schwer beschädigt worden. Es tritt weiter Radioaktivität aus.

IAEA sieht Besserung, Greenpeace warnt vor Strahlung

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Dienstag erklärt, das AKW Fukushima werde kaum noch Radioaktivität freisetzen. Wenn alles nach Plan laufe, werde die Menge der Radioaktivität von Tag zu Tag abnehmen, sagte der IAEA-Sicherheitsexperte Denis Flory in Wien. "Die Gesamtmenge wird sich kaum vom heutigen Wert unterscheiden", sagte er. In Fukushima sei kurz nach dem Erdbeben viel Radioaktivität freigekommen. Nun werde die Strahlung noch auf niedrigem Level freigesetzt. Dies werde aber auch zurückgehen.

Dagegen warnte die Umweltorganisation Greenpeace vor anhaltend hoher Strahlung auch außerhalb der Evakuierungszone. In der Stadt Fukushima, rund 60 Kilometer vom havarierten Atomkraftwerk entfernt, habe eine Greenpeace-Messkampagne noch Belastungen von bis zu vier Mikrosievert pro Stunde festgestellt, berichtete Experte Thomas Breuer am Montag in Hamburg. Die Bevölkerung bekomme dort in 14 Tagen die höchste vertretbare künstliche Strahlendosis für ein Jahr ab. In der Stadt Koriyama sei diese Dosis in 42 Tagen erreicht. Greenpeace sieht eine zusätzliche Belastung von 1000 Mikrosievert (1 Millisievert) im Jahr als höchste vertretbare Dosis an.

Evakuierungszone nur leicht vergrößert

Genau einen Monat nach dem verheerenden Erdbeben und dem Jahrhundert-Tsunami vom 11. März hatte die japanische Regierung die Evakuierungszone im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomruine auf bestimmte Gemeinden ausgeweitet, aus Sorge vor sich langfristig ansammelnden radioaktiven Partikeln. Bewohner dieser Gemeinden sind nun aufgefordert, ihre Häuser in etwa einem Monat zu verlassen.

Wie die Regierung unterdessen weiter mitteilte, wird die Evakuierungszone um das benachbarte Atomkraftwerk Fukushima Daini, das etwa zehn Kilometer vom havarierten AKW Fukushima Daichi entfernt liegt, verkleinert. Die Möglichkeit eines "ernsten Unfalls" sei gering geworden. Die Evakuierungszone werde daher von bislang zehn Kilometern um das AKW auf acht Kilometer reduziert. Alle Reaktoren gelten dort als sicher in der Langzeitabschaltung.

Quelle: dpa/AFP