Die Reste des Palmitos Park Hotel in San Bartolom de Tirajana
Mittwoch, 01. August 2007
Urlauber kaum betroffen: Kanaren in Flammen
Die verheerenden Waldbrände auf den Kanarischen Inseln sind sogar vom Weltall aus zu erkennen. Satellitenbilder zeigen, wie sich über Teneriffa und Gran Canaria riesige Rauchwolken in den Himmel erheben. Das Flammeninferno bedeutet für die Ferieninseln die schlimmste Umweltkatastrophe seit Jahrzehnten. Nach Presseberichten zerstörten die Feuer ein Drittel des gesamten Waldbestandes der beiden Inseln.
Die Brände breiteten sich auf 35.000 Hektar aus, was fast der Fläche der Hansestadt Bremen entspricht. Bei Temperaturen von zeitweise mehr als 40 Grad waren die Flammen mit so rasender Geschwindigkeit vorangeschritten, dass sie manche Waldstücke förmlich übersprangen. "Manche Wälder blieben beinahe unbeschädigt, andere verbrannten fast vollständig zu Asche", berichtete der Chef der Inselregierung von Teneriffa, Ricardo Melchior.
Ein Wetterumschwung und das Ende der Hitzewelle brachten am Mittwoch eine Wende. Auf Gran Canaria bekamen die Löschmannschaften die Flammen unter Kontrolle. Mehr als 5.000 Menschen, die vor den Bränden in Sicherheit gebracht worden waren, durften in ihre Wohnungen zurückkehren.
Dazu gehörten auch die 3.000 Bewohner von Mogn, die ihr Dorf im Westen von Gran Canaria Hals über Kopf hatten verlassen müssen. Einige von ihnen standen bei der Rückkehr vor den qualmenden Trümmern ihrer Wohnhäuser. "Die Tränen, die ich vergossen habe, hätten gereicht, die Flammen zu löschen", meinte ein Dorfbewohner mit bitterer Ironie. Andere hatten mehr Glück und fanden ihre Wohnungen weitgehend unbeschädigt vor.
In der nahe gelegenen Ortschaft Fataga hatten die Bewohner sich geweigert, der Anordnung der Polizei zur Räumung des Dorfes Folge zu leisten. Sie versteckten sich vor den Beamten und riskierten ihr Leben, um ihr Hab und Gut vor den Flammen zu verteidigen. "Wenn jemand das Dorf retten konnte, waren wir das", sagte einer der Bewohner.
Ausländische Urlauber auf den Kanarischen Inseln waren von den Bränden kaum betroffen - mit Ausnahme von etwa 40 Deutschen, die auf Gran Canaria aus ihrem Hotel in den Bergen nahe San Bartolom de Tirajana in eine andere Herberge umquartiert wurden. Die Waldbrände konzentrierten sich auf Gebiete im Innern von Gran Canaria und Teneriffa, fernab der großen Touristenhochburgen in Maspalomas und Playa de las Amricas. Allerdings waren die Rauchwolken über den Bergen von vielen Hotels aus zu sehen.
"Urlauber können ihre Ferien auf Gran Canaria völlig ungestört verbringen", betonte das lokale Fremdenverkehrsamt. "Wer für die kommenden Tage eine Reise nach Gran Canaria plant, sollte sich davon nicht abbringen lassen." Die großen deutschen Reiseveranstalter verzeichneten trotz der Waldbrände keine Buchungsrückgänge für die beiden Inseln. Die Monate Juli und August zählen auf den Kanaren ohnehin nicht zur Hochsaison. Die Inselgruppe lockt die meisten Urlauber im Herbst und Winter an.
Von Hubert Kahl, dpa
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