Panorama
Serafín Marín tötet den letzten Stier.
Serafín Marín tötet den letzten Stier.(Foto: REUTERS)
Sonntag, 25. September 2011

Blutige Kämpfe sind vorbei: Katalonien lässt Stiere in Ruhe

Stierkampf in Katalonien ist Geschichte. In die Arena Monumental in der Hauptstadt Barcelona kommen noch einmal fast 20.000 Besucher zu diesem historischen Ereignis. Dem jungen Katalanen Serafín Marín bleibt es vorbehalten, dem letzten Stier an diesem Abend den sogenannten Gnadenstoß zu versetzen.

Mit der Tötung von acht Stieren ist der letzte Stierkampf in der nordostspanischen Region zu Ende gegangen. Rund 18.000 Zuschauer waren am Sonntagabend in die 1914 eröffnete Arena Monumental von Barcelona geströmt, um dem Spektakel beizuwohnen. Katalonien hatte im Juli
2010 ein Verbot der Stierkämpfe beschlossen und so mit der jahrhundertealten Tradition gebrochen.

Unter Rufen "Freiheit, Freiheit" vollführten die berühmten Matadore José Tomás, Juan Mora und Serafín Marín die Stierkämpfe. Der junge Katalane Marín, der in Barcelona aufwuchs, gab dem letzten Stier an diesem Abend den sogenannten Gnadenstoß. Die Stiere stammten aus einer Zucht in der Stadt Salamanca im Landesinnern.

Die Arena Monumental war sofort nach Freigabe der Eintrittskarten ausverkauft, einige Karten sollen für bis zu 1500 Euro verkauft worden sein. Davor waren die Ränge der Arena bei Kämpfen häufig nicht einmal zur Hälfte gefüllt gewesen. Andere katalanische Städte wie Gerona, Figueras oder Lloret de Mar ließen ihre Arenen schon vor Jahren abreißen, weil sich kaum jemand für die Kämpfe interessierte.

Anhänger der "Fiesta" protestieren

Ein letztes Mal in Pose gestellt: Die Matadore haben in Katalonien keine Arbeit mehr.
Ein letztes Mal in Pose gestellt: Die Matadore haben in Katalonien keine Arbeit mehr.(Foto: REUTERS)

Unter den Zuschauern waren glühende Anhänger des Stierkampfes, die gegen das Verbot vehement protestierten. "Die Arenen zu schließen - das ist, als würde man einen Picasso in den Müll schmeißen", sagte ein 68-jähriger Mann namens Cristobal. Ein starkes Polizeiaufgebot verhinderte Auseinandersetzungen mit Tierschützern.

Katalonien ist die erste Region auf dem spanischen Festland, die mit der Tradition der Stierkämpfe bricht. Die Kanarischen Inseln machten 1991 den Anfang. Das Verbot in Katalonien tritt formal erst im Januar 2012 in Kraft, faktisch geschah dies jedoch bereits mit der letzten Corrida der Saison am Sonntagabend.

"Das schmerzt mich, ich bin traurig", hatte der Torero Serafín Marín vor dem letzten Kampf gesagt. "Man hat mir meine Vergangenheit und einen Teil meiner Zukunft gestohlen. Man hat mir verboten, meinen Beruf auszuüben." Er werde wohl aus Katalonien auswandern müssen.

Die Tierschützer feiern ihren Sieg.
Die Tierschützer feiern ihren Sieg.(Foto: dpa)

Vor der Arena versammelten sich Stierkampfgegner. "Das ist ein kleiner Sieg", sagte Lluís Villacorta. "Aber das tröstet mich nicht. Die Stiere, die hier nicht sterben, sterben an anderen Orten der Iberischen Halbinsel oder in Frankreich."

Die Befürworter der Corridas betonen die kulturelle Tradition der Kämpfe. Sie wollen mit einer Unterschriftensammlung erreichen, dass sich das Parlament in Madrid mit einer Aufhebung des Verbots in Katalonien befasst. Der Stierkampf ist mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien. Vor allem in Madrid und in Andalusien hat er nach wie vor viele Anhänger.

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Quelle: n-tv.de

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