Panorama

Mehr Offenheit und SelbstkritikKatholische Laien unzufrieden

20.08.2010, 18:58 Uhr
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Über welche Punkte der Leitlinien in Würzburg am meisten gestritten werden wird, sickerte bisher nicht durch. (Foto: Himmelspforten, das Exerzitienhaus der Diözese Würzburg) (Foto: dpa)

Bis Jahresende werden möglicherweise bis zu 400.000 Katholiken wegen des Missbrauchsskandals ihre Kirche verlassen haben. Immer lauter werden die Stimmen, die einen Umdenkprozess in der Kirche fordern.

Mehr Selbstkritik und Offenheit in der katholischen Kirche hat die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, Karin Kortmann, gefordert. Es müsse ein anderes Miteinander von Laien und Priestern erreicht werden, sagte Kortmann dem Deutschlandradio Kultur.

Sie verwies darauf, dass nach dem Missbrauchsskandal unter anderem an katholischen Schulen bis Ende des Jahres möglicherweise bis zu 400.000 Gläubige die katholische Kirche verlassen haben könnten. In dieser Lage müsse es innerhalb der Bischofskonferenz ein Umdenken geben.

Zwar werde es noch dauern, "bis manche Strukturen entkrustet werden", aber "die Frage, ob Bischöfe verstanden haben und auch der Papst verstanden hat, das ist eine kurzfristige Angelegenheit", sagte Kortmann. Die kirchliche Laienvertreterin äußerte sich anlässlich der Debatte um den Rücktritt des geistlichen Leiters der katholischen Journalistenakademie ifp, Michael Broch, vor einer Woche.

Broch war unter Druck von Seiten der Bischofskonferenz geraten, nachdem er sich in einem Interview gegen eine geschlossene Männerwirtschaft in der Kirche gewandt und unter anderem mehr Offenheit für andere Lebensmodelle neben dem Zölibat gefordert hatte. Der Umgang mit Broch stieß kirchenintern auf teils heftige Kritik. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hatte seinen Rücktritt bedauert.

Erneute Debatte über Leitlinien

Die katholischen Bischöfe wollen am Montag in Würzburg die überarbeiteten Leitlinien zum Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche festzurren. Unklar ist, ob die Vorschriften auch verabschiedet werden. Die Tagung des Ständigen Rates - das sind alle 27 Diözesanbischöfe oder in Vertretung der jeweilige Weihbischof - findet wie immer hinter verschlossenen Türen statt.

Zollitsch hatte kürzlich erklärt, die katholische Kirche müsse ihren Umgang mit der Sexualität ändern. Die Kirche müsse umdenken und sich dem Thema ohne Tabus stellen.

Quelle: AFP