Hilfseinsatz in MilitärstaatKaum Infos nach außen
Die Unwetterkatastrophe in Birma ruft bange Erinnerungen an den Tsunami Ende 2004 in Indonesien hervor. Wie damals gelangen die Informationen auch heute nur zögerlich an die Öffentlichkeit. Das staatliche birmanische Fernsehen berichtete von 22.464 Toten. Die Opposition geht von einer weit größeren Opferzahl aus. Derweil läuft die Hilfe schleppend an. Erste Helfer dürfen ins Land.
Die Unwetterkatastrophe in Birma ruft bange Erinnerungen an den Tsunami Ende 2004 in Indonesien. Wie damals kommen auch heute die Informationen über das wirkliche Ausmaß der Katastrophe nur sehr langsam an die Öffentlichkeit. Das staatliche birmanische Fernsehen berichtete heute, nach dem Wirbelsturm "Nargis" seien 22.464 Tote und 41.000 Vermisste zu beklagen.
Der in Oslo ansässige birmanische Oppositionssender "Democratic Voice of Burma" befürchtet indes, dass die tatsächlichen Opferzahlen weit höher lägen. "Die Zahl der Toten ist viel höher, als die Regierung zugibt", sagte Khin Maung Win, ein leitender Redakteur des Senders. Die Regierung habe nur um internationale Hilfe gebeten, weil sie keine andere Wahl gehabe.
Derweil ließ die Militärregierung des verarmten südostasiatischen Landes ausländische Hilfen zu. In den Katastrophengebieten waren mehrere Erkundungsteams aus birmanischen und internationalen Rot-Kreuz-Mitarbeitern unterwegs, um die Lage für gezielte Hilfen zu sondieren.
Helfer werden behindert
Die dringend benötigten Hilfslieferungen kommen nur schleppend voran. Erschwert wird die Arbeit der Organisationen vom schlechten Verkehrsnetz des verarmten Landes, aber auch von bürokratischen Blockaden der Militärjunta. Denn entgegen offizieller Verlautbarungen wird die Arbeit der Helfer noch immer massiv behindert. Offen darüber sprechen wollen die Hilfsorganisationen nicht - zu groß ist die Angst, Lieferungen an die notleidende Bevölkerung könnten vollständig blockiert werden.
"Myanmar (Birma, Burma) ist neben Nordkorea das restriktivste Regime, in dem man arbeiten kann", sagte ein Mitarbeiter einer großen Hilfsorganisation, die nicht namentlich genannt werden soll. "Kritische Äußerungen schlagen sofort auf unsere Arbeitsbedingungen durch." Ständige Beobachtung, umständliche Genehmigungen und teils monatelange Verzögerungen bei der Visa-Erteilung seien an der Tagesordnung, klagte der Experte. Auch Internetzugänge und Telefonverbindungen würden von dem autoritären Regime kontrolliert.
Riesige Flutwelle ausgelöst
"Nargis" war am Wochenende mit Geschwindigkeiten von 190 Kilometern pro Stunde über Birma hinweggefegt und hatte im Delta des Flusses Irrawaddy eine riesige Flutwelle ausgelöst, aus der es für viele Menschen kein Entrinnen gab. "Die Flutwelle hat mehr Menschen getötet als der Sturm", sagte der für den Katastrophenschutz zuständige Minister Maung Maung Swe bei einer Pressekonferenz in der verwüsteten Millionenmetropolen Rangun. Die Welle sei bis zu 3,50 Meter hoch gewesen und habe in tiefer gelegenen Orten die Hälfte der Häuser überschwemmt oder weggerissen. Es war der schwerste Wirbelsturm in Asien seit 1991. Damals waren in Bangladesch 143.000 Menschen ums Leben gekommen.
Weitere Katastrophe befürchtet
In Rangun wurden Nahrungsmittel und Wasser knapp. Vor allem die Versorgung mit Wasser erwies sich als größte Herausforderung. "Wasser ist das wichtigste Hilfsgut", sagte DRK-Sprecher Frederik Barkenhammar in Berlin. Ohne das Lebensmittel könnten sich Krankheiten ausbreiten. "Dann kommt die Katastrophe nach der Katastrophe." Nach Barkenhammars Worten waren im Land fünf Erkundungsgruppen unterwegs, um den Hilfsbedarf auszuloten. Die internationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften könnten sich auf 10.000 birmanische Freiwillige stützen, die in einer ersten Hilfsaktion damit begonnen hätten, 2000 Pakete mit Kleidung, Decken, Moskitonetzen und Kochutensilien zu verteilen.
Bitte um Spenden
Das Deutsche Rote Kreuz und die Welthungerhilfe riefen zu Spenden für die birmanische Bevölkerung auf. Das Diakonische Werk stellte als Soforthilfe 50.000 Euro bereit. Die Gruppe "Ärzte ohne Grenzen" berichtete, in Rangun mit der Verteilung von Lebensmitteln und Wasser begonnen zu haben. Die Hilfsorganisation World Vision Australia erklärte, ihr sei der Einsatz von bis zu 600 Mitarbeitern in Birma erlaubt worden. Eine UN-Sprecherin sagte indes, viele Helfer warteten noch auf Visa. Auch erschwerten Kommunikationsprobleme und blockierte Straßen weiterhin die Bemühungen, ein umfassendes Bild der Lage zu gewinnen.
Regierung spielt Lage herunter
Informationsminister Kyaw Hsan sagte, trotz der Zerstörung von Speichern gebe es genügend Reis. Das Militär unternehme die größtmöglichen Anstrengungen, um die Krise zu meistern, versicherte er. Zivilisten klagten dagegen, die Streitkräfte hätten viel zu spät auf die Naturkatastrophe reagiert. Das Militärregime habe eine Gelegenheit verpasst, durch schnelles Handeln die Menschen für sich einzunehmen. "Wo waren die Soldaten und Polizisten?", fragte ein pensionierter Verwaltungsangestellter. Bei der Niederschlagung von Bürgerprotesten seien die Sicherheitskräfte im September vorigen Jahres sehr viel schneller und aggressiver vorgegangen.