Panorama

"Negativreaktionen" der HörerKein Sunshine für Kachelmann

08.02.2011, 14:50 Uhr
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Kachelmann am 1. Februar, dem 25. Prozesstag, im Gerichtssaal in Mannheim. (Foto: dpa)

"Aufgrund diverser Reaktionen aus der Hörerschaft" verzichtet der Schweizer Sender Radio Sunshine "bis auf weiteres" auf die Wettermoderation von Jörg Kachelmann. Für Radio Basel dagegen gilt weiter die Unschuldsvermutung. In Mannheim dürfte derweil die Zeugenvernehmung von Frauenrechtlerin Schwarzer für Wirbel sorgen.

Jörg Kachelmann wird nach Beschwerden von Hörern nicht mehr das Wetter beim Schweizer Sender Radio Sunshine präsentieren. Die Rundfunkstation bestätigte entsprechende Medienberichte. Kachelmann hatte am vergangenen Freitag erst zum zweiten Mal das Wetter bei dem Zentralschweizer Sender präsentiert.

Radio Sunshine habe entschieden, "aufgrund diverser Reaktionen aus der Hörerschaft, bis auf weiteres auf Wettermoderationen mit Jörg Kachelmann zu verzichten", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Nähere Angaben zu den Reaktionen wurden zunächst nicht gemacht, in Medienberichten wurden "Negativreaktionen" genannt.

Radio Sunshine habe einen Vertrag mit Kachelmanns Firma Meteomedia über die Wettervorhersagen, hieß es. Diese würden in Zukunft - wie bisher - von verschiedenen Meteorologen der Firma Meteomedia präsentiert, nur nicht von Kachelmann.

Radio Basel hält an Kachelmann fest

Beim Sender Radio Basel ist Kachelmann dagegen weiter auf Sendung, dort präsentiert er jeweils freitags das Wochenendwetter. Solange Kachelmann nicht verurteilt sei, gelte die Unschuldsvermutung, hatte Chefredakteur Christian Heeb vor zwei Wochen gesagt, als Kachelmanns Engagement bei dem Sender bekannt wurde.

Der Schweizer Wetterexperte Kachelmann steht derzeit in Mannheim wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor Gericht. Er soll seine Ex-Freundin vergewaltigt und mit einem Messer bedroht haben, bestreitet jedoch alle Vorwürfe. Bis zum Bekanntwerden der Anschuldigungen im Februar 2010 hatte er erfolgreich das Wetter in der ARD präsentiert.

Alice Schwarzer als Zeugin

Am Mittwoch steht für den 52-Jährigen ein weiterer Verhandlungstag an. Diesmal muss Deutschlands bekannteste Frauenrechtlerin, Alice Schwarzer, in den Zeugenstand. Kachelmanns Anwalt hatte die Vernehmung Schwarzers beantragt, die für die "Bild"-Zeitung über das Verfahren berichtet. Der Anwalt warf ihr einen "öffentlichen Feldzug" gegen seinen Mandanten vor. Schwarzer bezeichnet den Vorwurf als "absurd".

Schwarzer hatte den Gerichtssaal vergangene Woche nach dem Antrag von Anwalt Johann Schwenn verlassen müssen. Schwenn möchte Schwarzer zu ihren Kontakten mit dem Therapeuten von Kachelmanns Ex-Freundin, Günter Seidler, befragen. Wenn die Vernehmung abgeschlossen ist, kann Schwarzer wieder an dem Prozess teilnehmen.

Dienstreise in die Schweiz

Unterdessen können Richter und Staatsanwälte des Landgerichts Mannheim zur Vernehmung einer Frau in die Schweiz fahren, die das Magazin "Focus" als neue angebliche Belastungszeugin präsentiert hatte. Wann sich das Landgericht auf den Weg macht, ist derzeit offen. Ort und Zeitpunkt der Vernehmung werden nicht bekanntgegeben, weil es sich um eine nichtöffentliche Vernehmung handelt.

Die Mannheimer dürfen die Frau auch nicht direkt befragen, sondern nur über den Schweizer Staatsanwalt. Die Zeugin hat bisher keine Beschwerde gegen ihre Befragung in Anwesenheit der Mannheimer eingelegt. Deshalb werde jetzt eine Vorladung erlassen, sagte der Züricher Staatsanwalt, Marcel Strassburger.

Nach Einschätzung von Kachelmanns Pflichtverteidigerin Andrea Combé dürfte die Schweiz-Reise in den nächsten zwei Wochen anstehen. Die Anwältin, die gemeinsam mit Wahlverteidiger Schwenn nach Zürich fahren wird, zeigte sich gelassen: "Wir denken nicht, dass die Zeugin den Tatvorwurf gegen unseren Mandanten stützen wird."

Quelle: dpa