Kältetoter und FlugausfälleKein Winterende in Sicht
Rekordschnee und Eiseskälte haben eigentlich immer nur die anderen, derzeit jedoch auch Hamburg und Berlin. Mindestens ein Mensch ist am Wochenende erfroren. Flugzeuge bleiben am Boden; Schiffe liegen fest. Zwei Tiefs aus Westen und Norden sorgen auch in der kommenden Woche für Eis und Schnee.
Der harte Frost hat am Wochenende in Deutschland mindestens ein Todesopfer gefordert: Ein 76 Jahre alter Mann erfror im schleswig-holsteinischen Lindau nach einem Sturz. Er war am Samstag aufgefunden worden und konnte nicht wiederbelebt werden. Es gebe keine Hinweise auf Fremdverschulden, teilte die Polizei mit. Der Winter bereitete zudem dem Frankfurter Flughafen wieder Probleme. Wärmer soll es vorerst nicht werden: Zwei Tiefs aus Westen und Norden bringen zudem Neuschnee.
Vielen Deutschen machen die Minusgrade aber nichts aus - im Gegenteil: Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts polis/USUMA für das Nachrichtenmagazin "Focus" freuen sich 70 Prozent der 1018 Befragten über einen kalten, schneereichen Winter.
Schiffe liegen fest
Auf Teilen des Mittellandkanals brachten große Eisschollen die Schifffahrt zum Erliegen. Zwischen der Schleuse Sülfeld bei Wolfsburg und der Schleuse Rothensee in Magdeburg fahren seit Samstagabend keine Schiffe mehr, teilte die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Mitte in Hannover mit. Die Strecke wurde gesperrt, weil keine sichere Fahrt mehr gewährleistet werden könne. Mehrere Schiffe liegen fest.
Das Eis hat laut Wasser- und Schifffahrtsdirektion eine Stärke von bis zu 20 Zentimetern erreicht. Der übrige Kanal soll zunächst mit Hilfe von Eisbrechern offen gehalten werden. Bereits vor eineinhalb Wochen hatte das Wasser- und Schifffahrtsamt Brandenburg den Elbe-Havel-Kanal zwischen Magdeburg und Berlin wegen starker Eisbildung gesperrt. Auch der Elbe-Seitenkanal ist im Bereich Uelzen bereits seit einigen Tagen nicht mehr befahrbar.
"Ina" und "Dirk" bringen Eis und Schnee
Tief "Ina" zieht von Frankreich her ins Land und lässt es nach Voraussagen der Meteorologen am Montag zwischen Brandenburg und Bayern schneien. Dabei bleibt es im Nordosten frostig, im Süden und Westen liegen die Temperaturen um den Gefrierpunkt. Am Dienstag wird es von Norden her zunächst sonnig, Mittwoch breitet sich ein neues Tief mit Schnee und kräftigem Wind aus. "Maximal im Rheintal und im Westen von Nordrhein-Westfalen kann es zarte Plusgrade geben", hieß es. "Von wirklicher Erwärmung ist aber keine Spur."
Bereits in der Nacht zum Sonntag brachte Hoch "Dirk" vor allem dem Osten eisige Temperaturen. Am kältesten war es in Grambow-Schwennenz (Mecklenburg-Vorpommern) mit minus 18,8 Grad. Eis behinderte den Flugverkehr auf Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt. Am Sonntagmorgen mussten nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport fast zwei Stunden lang die Start- und Landebahnen enteist werden. Bis zum Mittag wurden 24 Flüge gestrichen, 16 Flüge wurden nach Düsseldorf, Köln, Stuttgart und Nürnberg umgeleitet.
Haushalte in Südpolen ohne Strom
Im Süden von Polen müssen immer noch rund 11.500 Menschen bei eisiger Kälte ohne Strom auskommen. Am schlimmsten sei die Lage in der Gemeinde Olkusz zwischen Krakau und Kattowitz, teilte eine Sprecherin des Krisenstabes mit. Dort seien seit Tagen mehr als 6000 Haushalte ohne Elektrizität, auch die Fernwärme- und Wasserversorgung liege still und die Telefonleitungen seien unterbrochen. Am Sonntag war es in Polen bis zu minus 17 Grad kalt. In der Nacht zum Montag soll die Temperatur in Ostpolen auf bis zu minus 28 Grad sinken.
Nach heftigen Schneefällen in den vergangenen Wochen waren unter den Schneemassen viele Bäume zusammengebrochen, Strommasten beschädigt worden und Leitungen zerrissen. Vor zwei Wochen hatten noch rund 100.000 Menschen in Polen keinen Strom. Seitdem sind die Reparaturteams rund um die Uhr im Einsatz. Auch Armee-Einheiten helfen mit.