Panorama

Die Medien kommen zuerstKeine Panik hinterm Deich

21.05.2010, 17:09 Uhr

Heinz Blümel kennt das alles schon: "Wissen Sie, es gibt zwei Wellen. Erst kommt das Wasser - und dann kommen die Medien!" Es scheint, als käme die zweite Welle zuerst.

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Die Menschen in der Ernst-Thälmann-Siedlung haben keine Angst: "Wir leben schon unser Leben lang mit der Oder." (Foto: dpa)

In Ostbrandenburgs Ziltendorfer Niederung an der Oder, wo der Rentner Heinz Blümel mit seiner Familie in der Ernst-Thälmann-Siedlung lebt, mähen die Menschen am Freitag Rasen. Oder tun andere alltägliche Dinge - nur unterbrochen von etlichen Reportern. "Warum sollen wir Angst haben?", sagt Blümel. "Wir leben schon unser Leben lang mit der Oder. Und Hochwasser haben wir zweimal im Jahr."

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Bei der Jahrhundertflut 1997 wurden zahlreiche Wohnhäuser zerstört. (Foto: dpa)

Dabei hätte Blümel eigentlich Grund zur Panik bei der Jahrhundertflut 1997 wurden sowohl sein Wohnhaus, als auch seine Gastwirtschaft im benachbarten Ortsteil Aurith (Oder-Spree) komplett überflutet. Erst ein Jahr später konnte er wieder einziehen. Er hat zwar keine übertriebene Furcht, macht sich aber seine Gedanken. Täglich fährt er zur Oder und kontrolliert den Deich. Über die Wasserhöhe informiert er sich aus der Zeitung. Den Zustand des nach 1997 erhöhten Deiches sieht der Landwirt stellenweise kritisch. Es gebe Lücken und eine notwendige Verdichtung sei unterblieben.

Die Papiere müssen mit

Für den Fall einer neuerlichen Katastrophe hat sich Blümel zwei Dinge vorgenommen: "Sobald die Alarmstufe 3 da ist, packen wir auf jeden Fall unsere Papiere zusammen." Es habe Jahre gedauert, bis er wieder alle beisammen hatte. Und Blümel will nicht mehr raus aus dem Haus. Als die Ziltendorfer Niederung 1997 nach zwei Deichbrüchen komplett überflutet wurde, mussten die Bewohner ihre Häuser verlassen. Zu früh, wie der Ruheständler meint. "Wir hätten noch zwei Tage Zeit gehabt, da hätte noch vieles gerettet werden können." Heute ist seinem Haus nicht mehr anzusehen, dass das Mauerwerk offengelegt werden musste und 1997 ein Frosch in der Wohnstube schwamm.

Auch der Ziltendorfer Bürgermeister Frank-Reiner Vierling ist am Freitag wie jeden Tag in die Firma gegangen. "Wir bleiben ganz ruhig", sagt der ehrenamtliche Ortsvorsteher. "Und solange der Deich hält, haben wir überhaupt kein Problem." Zwar hätten einige Bewohner einen geplanten Urlaub verschoben, aber auf gepackten Koffern sitze man noch nicht.

Langsam, aber stetig

Auch in Aurith, dem unmittelbar an der Oder gelegenen anderen Ortsteil von Ziltendorf, ist von Panik keine Spur. Menschenleer und fast idyllisch ist es am Oderufer, wo das Wasser langsam, aber stetig steigt. Die vom Landesumweltamt herausgegebene Empfehlung zur Räumung des Deichvorlandes ist hier überflüssig, denn es steht schon unter Wasser.

Die Gaststätte "Bauernstübchen" direkt hinter dem Deich hat geöffnet. Inhaberin Silke Thurian möchte lieber nichts zum Thema Hochwasser sagen. Die Gefahr werde doch ein wenig aufgebauscht, meint sie. Sie hat das Lokal erst nach dem großen Hochwasser übernommen - unbeschädigt. Damals war es eines von drei Gebäuden in Aurith, die von der Flut verschont geblieben waren.

Derzeit ist für Ziltendorf noch keine Alarmstufe ausgerufen; Stufe 1 soll nach Information des Hochwassermeldezentrums Frankfurt (Oder) am Pfingstwochenende erreicht werden.

Quelle: Antje Scherer, dpa