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Mittwoch, 17. Februar 2010

Korsett für Heumarkt-Baustelle: Köln sichert U-Bahn-Gruben

Schwere Stahlplatten sollen in den vom Rhein-Hochwasser bedrohten U-Bahn-Baugruben in Köln dafür sorgen, dass die Wassermassen nicht alles zusammendrücken. Im Zusammenhang mit dem Kölner Bauskandal sorgen sich nun auch die Düsseldorfer Stadtväter um die Sicherheit ihrer im Bau befindlichen "Wehrhahn-Linie".
Die Sicherheitslage an der Baugrube Heumarkt ist durch die Nähe zum Rhein besonders prekär.

Die Sicherheitslage an der Baugrube Heumarkt ist durch die Nähe zum Rhein besonders prekär.
(Foto: dpa)

Zum Schutz vor drohendem Hochwasser haben an einer gefährdeten U-Bahn-Baugrube in Köln die Sicherungsarbeiten begonnen. Unterirdisch würden derzeit schwere Stahlplatten in der Baustelle angebracht, sagte ein Sprecher der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), der Bauherrin des Milliardenprojekts. Die Platten sollen wie ein Korsett von innen dafür sorgen, dass der Druck von außen durch steigende Wassermassen nicht zu hoch werde. Eine zweite Schutzmaßnahme soll eine Flutung der Grube für den Notfall bei Extrem-Hochwasser vorbereiten. Beides soll bis Ende der Woche beendet sein.

Pfusch und Betrug

Immer neue Berichte über Pfusch an der Baugrube Heumarkt und auch an zwei weiteten U-Bahn-Schächten in der Innenstadt hatten Sorge um die Sicherheit erregt. An der Baustelle Heumarkt, die nahe am Rhein liegt, könnte bei Rhein-Hochwasser und damit auch steigendem Grundwasserspiegel ein Fluten der Grube zur Stabilität der Baukonstruktion nötig werden. Derzeit steht der Rhein-Pegel noch bei 2,70 Metern, er soll aber ab dem Wochenende steigen.

Eine der U-Bahn-Baustellen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Dom, dem weltberühmten Wahrzeichen Kölns.

Eine der U-Bahn-Baustellen befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Dom, dem weltberühmten Wahrzeichen Kölns.
(Foto: dpa)

Erkenntnisse über Baumängel und Spekulationen über organisierten Betrug beim U-Bahn-Bau hatten in den vergangenen Wochen zugenommen. Demnach sollen für 28 unterirdische stabilisierende Schlitzwände falsche Vermessungsprotokolle angefertigt worden sein. Mindestens an der Baustelle Heumarkt fehlen bis zu 83 Prozent der erforderlichen Eisenbügel, bei den anderen beiden Baugruben wird noch untersucht, ob es auch hier Pfusch gab. Die Eisenbügel sollen an einen Schrotthändler verkauft worden sein.

Ermittlungen in drei Fällen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit den Missständen mit dem U-Bahn-Bau inzwischen in drei parallelen Fällen gegen zwölf Personen. Direkt an einer der nun ins Visier geratenen Baustellen war das Stadtarchiv am 3. März 2009 eingestürzt, zwei Menschen starben. Hier laufen die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt weiter.

Grünen-Politiker verlangen Aufklärung

Der Rheinpegel am 17. Februar 2010. Am Wochenende werden allerdings steigende Werte erwartet.

Der Rheinpegel am 17. Februar 2010. Am Wochenende werden allerdings steigende Werte erwartet.
(Foto: dpa)

Angesichts der Pfusch- und Betrugsvorwürfe soll das Thema nun auch auf die politische Agenda: Die NRW-Grünen wollen es am 4. März im Düsseldorfer Landtag auf die Tagesordnung setzen und verlangen von Bauminister Lutz Lienenkämper (CDU) Aufklärung zu den Missständen bei dem Kölner Großprojekt. Lienenkämper hatte vor einigen Tagen von "offensichtlich hochkriminellen Vorgängen" gesprochen. Das Bauvorhaben umfasst nach derzeitigem Stand laut KVB eine Milliarde Euro.

Das federführende Bauunternehmen Bilfinger Berger war wegen der Mängel in die Negativschlagzeilen geraten und hatte drei Mitarbeiter suspendiert. Die KVB prüft weiter, ob sie die Verträge mit den Baufirmen auflösen soll.

Nun wird auch in Düsseldorf geprüft

Nach den sich häufenden Vorwürfen in Köln werden nun auch die Baustellen der geplanten neuen Düsseldorfer U-Bahn näher unter die Lupe genommen. Wie ein Sprecher der Stadt mitteilte, laufe die Prüfung aller Protokolle zu den bisher fertiggestellten Schlitzwänden auf Hochtouren. Rund 700 Protokolle, die alle Schritte bei der Herstellung der teilweise über 30 Meter in den Boden reichenden Wände dokumentieren, würden noch einmal kontrolliert. Auffälligkeiten hätten sich bisher nicht gezeigt, hieß es weiter.

Ein ausführlicher Bericht zu allen eingeleiteten Prüfungen wolle die Stadt am 24. Februar in einer öffentlichen Sitzung des Ordnungs- und Verkehrsausschusses geben. Bis dahin werde an der insgesamt 3,4 Kilometer langen Trasse weiter gearbeitet. Die Düsseldorfer "Wehrhahn-Linie" soll 2015 den Betrieb aufnehmen. Die Baukosten werden derzeit auf 650,5 Millionen Euro beziffert.

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Wie sicher ist die Kölner Innenstadt?
Bei Rhein-Hochwasser droht Gefahr
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dpa

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