Mittwoch, 12. Dezember 2007
Durch OP zu Mann gemacht
Krankenpflegerin verklagt Arzt
Nach einem jahrelangen Leidensweg als Zwitter und einem unfreiwilligen Leben als Mann hat eine Krankenpflegerin einen Chirurgen in Köln verklagt. In dem bundesweit beispiellosen Fall verlangt die 48 Jahre alte Klägerin 100.000 Euro Schmerzensgeld, da der Arzt ihr vor 30 Jahren intakte Eierstöcke und Gebärmutter ohne vorherige Aufklärung entfernt habe. Das warf die Frau dem ehemaligen Mediziner einer Kölner Klinik zu Beginn des aufsehenerregenden Zivilprozesses vor dem Kölner Landgericht vor. Das Gericht sprach von einem besonders schwierigen und problematischen Fall.
Reihe von medizinischen Fehlern
Rechtsanwalt Georg Groth sagte, der beklagte Chirurg sei nicht der allein Verantwortliche für das Schicksal seiner Mandantin. Von Geburt an habe es eine Reihe von medizinischen Fehlern gegeben, doch der Chirurg habe das "gefährliche OP-Besteck geführt". Zudem könne wegen der Verjährungsfristen nur noch der Arzt belangt werden, der den Eingriff im Jahr 1977 vorgenommen hatte.
"Pfusch ohne Ende"
Die intersexuelle Klägerin selbst - sie nennt sich Christiane und fühlt sich "eher weiblich" - sagte vor Prozessbeginn, ihre medizinische Behandlung durch mehrere Ärzte sei eine "einzige Katastrophe" gewesen. Man habe "Pfusch ohne Ende" an ihr begangen. Die Klägerin war bei ihrer Geburt wegen nicht eindeutiger äußerer Geschlechtsorgane fälschlicherweise als Junge vermerkt worden. Eine vergrößerte Klitoris wurde als Penis angesehen. Das Kind wurde von den Eltern als Junge groß gezogen, der in der Pubertät auch männliche Entwicklungen wie Bartwuchs zeigte. Er hatte aber viele gesundheitliche Probleme und hörte schon mit 14 Jahren auf zu wachsen. Erst mit 17 Jahren wurde bei einer Blinddarm-OP entdeckt, dass "Thomas" über Gebärmutter und Eierstöcke verfügte. Ein Jahr später kam es zu der folgenschweren OP in Köln.
Weibliche Geschlechtsorgane voll entwickelt
Nach Ansicht der Klägerin hätte der Chirurg die OP sofort abbrechen müssen, als er bemerkte, dass die inneren weiblichen Geschlechtsorgane voll entwickelt und intakt waren. Mit dem Eingriff sei sie biologisch unumkehrbar zum Mann gemacht worden. Der Anwalt des Beklagten, der nicht zum Prozess erschienen war, bestritt ein Fehlverhalten und betonte die Verantwortung der behandelnden Internisten. Der Vorsitzende Richter Dietmar Reiprich sagte, es handele sich um einen problematischen Fall, der lange zurückliege und für dessen Rekonstruktion viele Akten fehlten, vor allem der wichtige OP-Bericht.
"Bewusst verschwiegen"
Eine Unaufklärbarkeit des damaligen Sachverhalts könne möglicherweise zulasten der Klägerin gehen, sagte der Richter in einer ersten Einschätzung. Der Fall werde auch dadurch erschwert, dass nicht die Stadt Köln als Trägerin der Klinik verklagt wurde, sondern nur der einzelne Mediziner, was bei der Zuordnung von Verantwortlichkeiten problematisch sein könne. Es müsse geklärt werden, ob die damals 18-Jährige ausreichend aufgeklärt und über Alternativen zur OP informiert worden sei. Fest stehe aber, dass der Klägerin damals "bewusst verschwiegen worden" war, dass sie vom Chromosomensatz her eindeutig weiblich sei.
Beide Seiten lehnten am ersten Prozesstag einen Vergleich ab. Das Urteil will die Kammer am 6. Februar 2008 verkünden.
Hintergründe zur Nachricht
Panorama
-
"Ich will Liebe machen, sofort!"
Carla Bruni bei den "Simpsons"
-
Böser Traum
Mann erwürgt Ehefrau im Schlaf
-
The Best von der Schwester
Die außergewöhnliche Janet Jackson
-
Abgeordnete des Volkes
Goldene Füller als letzte Order
-
Meret Becker auf der Varieté-Bühne
Neue Show im "Wintergarten"
-
Bis zum Jubiläumsjahr 2013
Wagner-Museum wird saniert
-
Sieben Monate auf einem Stuhl
320-Kilo-Mann nach Befreiung tot
-
Eine gute Verhütungsmethode?
Unwissen über Sex im Stehen
-
Sarkozy will den Autoren ehren
Camus soll ins Panthéon
-
Bis zu 60 Opfer befürchtet
Mord für Menschenfett?
-
"Zwei, drei Filme im Jahr"
Herzog ist ein Kino-Muffel
-
Raubeiniger Provokateur
Baselitz-Schau in Baden-Baden

