Umweltkatastrophe verhindernKüstenwache entzündet Öl

Um eine noch schlimmere Katastrophe zu verhindern, beginnt die US-Küstenwache mit dem kontrollierten Abfackeln des Ölteppichs vor der Golfküste. Das Öl ist bereits bis auf 30 Kilometer an die Küste herangetrieben und bedroht Tier- und Pflanzenwelt.
Im Kampf gegen die Ölpest vor der US-Golfküste haben Experten damit begonnen, den Ölteppich in Brand zu stecken. Die Behörden rangen sich zu dem umstrittenen Schritt durch, nachdem andere Versuche zur Schließung des Bohrlochs scheiterten und weiterhin hunderttausende Liter Öl ins Meer flossen. Die Küstenwache warnte vor einem der größten Öldramen der US-Geschichte, sollte das Leck nicht bald gestopft werden.
Nach Darstellung der Küstenwache stellt das kontrollierte Abfackeln des Ölteppichs den letzten Ausweg dar, um eine noch größere Katastrophe zu verhindern. Die drastische Methode ist umstritten, da große Mengen giftigen Rauchs in den Himmel steigen und verbrannte Ölreste im Meer zurückbleiben. "Diese Maßnahme ist augenscheinlich mit Gefahren verbunden", sagte Küstenwache-Sprecherin Cheri Ben-Iesau.
Erste Testfeuer
Die Experten begannen mit dem Versuch, das Öl mit aufblasbaren Barrieren einzuhegen und aufs offene Meer zu schleppen. "Dort wird es entzündet und kontrolliert abgebrannt", sagte Ben-Iesau. Zunächst würden Testbrände gelegt, um zu sehen, ob sich das Öl überhaupt entzünden lässt. "Man kann da nicht einfach ein Streichholz reinwerfen", sagte die Sprecherin. Das Öl in den Barrieren müsse eine bestimmte Konzentration erreichen und werde dann mit Brandbeschleuniger angesteckt.
Die US-Umweltbehörde EPA sollte während des Abfackelns die Luftverschmutzung messen und notfalls ein Ende der Brände anordnen. Sollten die giftigen Schwaden an Land ziehen, könnten sie Mensch und Tier schaden. Die Umweltschutzgruppe WWF bezeichnete die Pläne, das Öl zu verbrennen, als einen "verzweifelten Ansatz".
Teppich treibt immer näher
Das Abfackeln war nötig geworden, nachdem sich der Ölteppich bis auf 30 Kilometer der ökologisch höchst empfindlichen US-Küste näherte. Täglich fließen nach wie vor 42.000 Barrel Öl aus dem Bohrloch, dessen Schließung mehrfach misslang. Ursache der Ölpest war die Explosion und das anschließende Sinken einer Bohrplattform in der vergangenen Woche.
Die Ölpest könnte sich dies zu einer der "bedeutendsten Ölkatastrophen der US-Geschichte" ausweiten, sagte Küstenwachensprecherin Mary Landry mit Verweis auf den Untergang des Öltankers Exxon Valdez 1989. Damals hatten rund 50.000 Tonnen Öl die Küste im Süden Alaskas auf einer Länge von fast 2000 Kilometern verseucht. Es war die schlimmste Ölpest in der Geschichte der Vereinigten Staaten.
Am Dienstag hatten die Rettungskräfte zudem mit dem Bau einer riesigen Schutzglocke zur Abdeckung der Bohrinsel begonnen, die ein weiteres Auslaufen von Öl verhindern soll. Die Vorrichtung unter Wasser funktioniert dabei wie ein Deckel, unter dem sich das Öl ansammelt. Nach Angaben der Küstenwache könnte der Bau dieser Schutzglocke jedoch bis zu vier Wochen dauern.
Allerdings warnen Fachleute vor einer solchen Kuppel. Das System wurde zwar schon getestet, allerdings nie in solch einer Wassertiefe. In der Tiefe habe man das Problem, "dass diese Kuppel den Druck, der da unten herrscht, eventuell nicht aushalten kann", sagt Catalin Theodoriu von der TU Clausthal im Interview mit n-tv.de. "Manche Experten sind sogar der Meinung, dass das eigentlich eine große Gefahr ist, denn wenn diese Kuppel erstmal gesetzt ist und versagt, dann hat man gar keinen Zugang mehr zum Bohrloch."
Katastrophe droht
Sollte der Ölteppich tatsächlich bis zum ökologisch anfälligen Mississippi-Flussdelta treiben, drohe eine Umweltkatastrophe, sagte die Biologin Maggy Nugues vom Bremer Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie. "Sollte er das Festland erreichen, wird es auf jeden Fall große Schäden geben. In den küstennahen Feuchtgebieten befinden sich die Laichgebiete und Brutstätten von zahlreichen Krebstieren, Fisch- und Vogelarten." Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Strömung das Öl zu den Florida Keys treibe und das Korallenriff dort gefährde.
Jörn Ehlers vom WWF sieht die Umweltkatastrophe als "Konsequenz einer Energiepolitik, die sehr stark auf fossile Rohstoffe setzt". Er sieht vor allem drei Mittel, um die Katastrophe einzudämmen. So müsse man das Bohrloch so schnell wie möglich schließen. Auch könne man das Öl absaugen und Chemikalien einsetzen. Da müsse man aber genau hinschauen, da die Chemikalien auch das Ökosystem schädigten, sagte Ehlers bei n-tv: "Es ist ein bisschen so wie die Wahl zwischen Pest und Cholera."
Unterdessen kündigten US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano und Innenminister Ken Salazar an, dass die Regierung die Ermittlungen zur Ursache des Unglücks ausdehnen will. Geprüft werden soll, ob die Schweizer Betreiberfirma "Transocean" und andere Beteiligte an der Bohrinsel sich strafbar gemacht haben. Auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" hatte sich vor gut einer Woche eine schwere Explosion ereignet. Am vergangenen Donnerstag war die Plattform gesunken.