Panorama

"Schattenkultur" für die KulturhauptstadtKunst aus dem Knast

01.03.2010, 14:34 Uhr

Die Kulturhauptstadt 2010 möchte sich nicht mit einem elitären Programm präsentieren. Die Probleme der Menschen sollen berücksichtigt werden. Deswegen gibt es Kunst im und aus dem Gefängnis.

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Die nordrhein-westfälische Justizministerin, Müller-Piepenkötter, und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Schneider, vor einem Bild der Ausstellung. (Foto: dpa)

Unter dem Titel "Schattenkultur" zeigen sich die Häftlinge in Nordrhein-Westfalen zur Kulturhauptstadt 2010 von ihrer kreativen Seite. Mit Malerei und Video, Theater und Fotoausstellungen geben Häftlinge aus 17 Gefängnissen der Kulturhauptstadt-Region Ruhrgebiet vom 2. Mai bis zum 26. September einen Einblick in das Leben hinter Gittern, teilten die Veranstalter in Düsseldorf mit. Getragen wird "Schattenkultur" mit dem zentralen Ausstellungsort im Alten Hafthaus Moers von der Europäischen Kulturhauptstadt, den beiden Kirchen sowie dem Justizministerium des Landes NRW.

Strafvollzug als Teil der Kultur

"Kunst und Kultur soll den Gefangenen die Fähigkeit geben, sich selbst zu entdecken", sagte Ruhr.2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen. Der Kulturhauptstadt gehe es nicht um ein elitäres Programm: "Wir wollen nach draußen, wo die Menschen, wo die Probleme sind." Für den Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, stellt das Programm den Strafvollzug selbst als Teil der Kultur ins Licht der Öffentlichkeit. "Das Gefängnis ist kein gottverlassener Raum", erklärte Schneider. Landes-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) nannte das Programm den "Höhepunkt bisheriger Kulturarbeit im Strafvollzug des Landes".

Zu dem vielfältigen Programm gehört eine 45-minütige Videodokumentation "Abschiebeknast" aus der JVA Büren, die auch das Leben der Abgeschobenen in ihren Heimatländern darstellt. Die Frauen im Gefängnis von Gelsenkirchen zeigen eine 120 Meter lange Malerei auf alten Bettlaken und die JVA Geldern macht mit den riesigen Malereien auf den Gefängnismauern bekannt.

Hilfe aus europäischen Gefängnissen

Mit EU-Hilfe konnten auch Gefängnisse aus Marseille, Barcelona sowie Mailand für das Film- und Fotoprogramm gewonnen werden. Das NRW-Landesarchiv beteiligt sich mit einer historischen Dokumentation über die Geschichte des Strafvollzugs.

Wer selbst neugierig auf das beengte Leben hinter Gittern geworden ist, kann sich als Projekt der JVA Detmold in einer Neun- Quadratmeter-Zelle einschließen lassen. Nach der Niederschrift der Eindrücke in ein "Gästebuch" ist die rasche Entlassung allerdings sicher. Vorherige Anmeldung für "Schattenkultur" bei der Bürgerinformation Moers wird von den Veranstaltern empfohlen.

Quelle: dpa