Panorama
Sonntag, 17. Oktober 2010

Von Altfällen bis Zahnersatz : Kurioses im Statistischen Jahrbuch 2010

Deutschland in Zahlen: Auf 745 Seiten fasst das Statistische Bundesamt zusammen, was Deutschland ausmacht. Von gezüchteten Primeln über Monatsverdienste im Grundstückswesen bis hin zur Sterbekasse. Dazwischen steckt auch immer wieder Kurioses.

Das Statistische Jahrbuch listet allerhand Wahrheiten über die Gesellschaft auf: Für Zahnersatz wurden vor zwei Jahren 12,8 Milliarden Euro ausgegeben, so viel wie nie zuvor.
Das Statistische Jahrbuch listet allerhand Wahrheiten über die Gesellschaft auf: Für Zahnersatz wurden vor zwei Jahren 12,8 Milliarden Euro ausgegeben, so viel wie nie zuvor.(Foto: picture alliance / dpa)

Ganz harmlos, mit einer Deutschlandkarte, fängt es an. Doch auf 745 Seiten versammelt das kürzlich veröffentlichte Statistische Jahrbuch 2010 vor allem eins: Zahlen. Zu allen denkbaren Kategorien hat sie das Statistische Bundesamt zusammengetragen und fein säuberlich in Tabellen abgedruckt. Um das auf den ersten Blick wenig einladende Werk dennoch interessant zu machen, verspricht Amtspräsident Roderich Egeler im Vorwort, dass es sich "zum Nachschlagen und zum Schmökern gleichermaßen" eigne. Unrecht hat er nicht, denn im Detail stecken viele Kuriositäten.

Ganze 19 Stunden mussten Berti, Det, Edi und Co. im vergangenen Jahr schuften, verrät der dicke Band etwa über die Mainzelmännchen. Nahezu mysteriös ist die Rangliste zum Städtetourismus, wo an gleich 11 der 82 Plätze drei X stehen - mit der Info, Angaben für diese Städte "unterliegen der statistischen Geheimhaltung".

Die Laster der Deutschen

Mit fast einer halben Million Tonnen Eiscreme wurde vor zwei Jahren so wenig genascht wie in den acht Vorjahren nicht.
Mit fast einer halben Million Tonnen Eiscreme wurde vor zwei Jahren so wenig genascht wie in den acht Vorjahren nicht.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Experten widmen sich in dieser Ausgabe intensiv den Lastern der Deutschen und listen zum ersten Mal harte Fakten zu Übergewicht und Rauchgewohnheiten auf: Mit im Schnitt 84,7 Kilogramm bei den Männern und 70,4 Kilogramm bei den Frauen lebten 2009 die schwersten - aber nicht zugleich größten - Deutschen in Mecklenburg-Vorpommern. Und fast 1,7 Millionen Menschen rauchten mehr als 20 Kippen pro Tag.

So werden allerhand Wahrheiten über die Gesellschaft aufgelistet: Für Zahnersatz wurden vor zwei Jahren 12,8 Milliarden Euro ausgegeben - so viel wie nie zuvor. Mit fast einer halben Million Tonne Eiscreme wurde so wenig Gefrorenes genascht wie in den acht Vorjahren nicht. Zugleich verdoppelte sich die Zahl der selbstständigen Psychologen.

Wessen Daumen ist am grünsten?

Immer wieder machen die Angaben Unterschiede zwischen den Bundesländern deutlich. So lebten die Hamburger zuletzt am engsten: auf 36,2 Quadratmetern pro Einwohner - Saarländer hatten zwölf mehr. Beschaulich ist es in Rheinland-Pfalz, wo es knapp zwei Drittel aller Gemeinden mit weniger als 100 Bewohnern gibt. Den grünen Daumen, gemessen an der Ausbeute beim Zierpflanzenanbau, haben die Nordrhein-Westfalen - außer bei Chrysanthemen. Da liegen die Niedersachsen vorn. Und auch wer schon immer Vorurteile amtlich bestätigt haben wollte, wird in der Statistik fündig: Eine der wenigen, farbigen Grafiken zeigt, dass in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr die meisten Bausparverträge pro Einwohner bestanden.

Interessant sind Vergleiche innerhalb einer Tabelle, wie bei den Erstauflagen 2009: Bücher zu Naturwissenschaften und Mathematik gab es weniger als halb so viele wie zu Religion. Tennis- und Schützenvereine hatten im vergangenen Jahr mit je etwa anderthalb Millionen ähnlich viele Mitglieder - und waren damit fast doppelt so groß wie die Leichtathletik-Spitzenverbände. Neun heiratenden männlichen Jugendlichen stehen 183 gleichaltrige Mädchen gegenüber. Hochzeit mit über 60 Jahren feierten 15.248 Männer und 7352 Frauen.

Pikante Details aus der Politik

Selbst die in Zahlenform gepresste Politik hält pikante Details parat. Am meisten Probleme scheint das Kreuzchenmachen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern zu bereiten: Mit 4,6 Prozent war der Anteil der ungültigen Stimmen so hoch wie bei keiner anderen Wahl 2009 in Deutschland. Bei der Politik wechselt auch die sonst nüchterne und neutrale Wortwahl der Statistiker, die für das vergangene Jahr 64.000 "verlorene Tage durch Streik" aufzeigt.

Und für den Wälzer gilt: Auf Kleingedrucktes achten. Dort erfahren Leser etwa in der Bevölkerungsstatistik, dass die Zahlen für Ost- und West-Berlin erst seit 2001 vereint sind. Bürger des Kosovo können als "Altfälle" in Serbien enthalten sein. Die Seegrenze zu Dänemark ist - anders als wohl bei anderen Nachbarländern - "nicht endgültig festgelegt". "Ohne Hessen" kommen die Daten über Kriminelle aus, die nach Jugendstrafrecht verurteilt wurden. Und beim Ausstoß in die Umwelt werden zwischen CO2 und Dünger nur "Brems- und Reifenverluste" extra ausgewiesen: mit 0,1 Millionen Tonnen der geringste Wert in der Tabelle - und etwa ein Drittel des 2007 umherwirbelnden Staubs.

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Quelle: n-tv.de

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