Panorama

Griff in die KirchenkasseMann veruntreute 4,8 Mio Euro

23.02.2010, 15:17 Uhr

Er leitete das kirchliche Rentamt bei katholischen Bistum Limburg. Das 7. Gebot brach er dennoch - und nicht nur einmal.

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Der Angeklagte im Landgericht in Limburg. (Foto: dpa)

"Du sollst nicht stehlen" - so lautet das 7. Gebot, doch auch wenn sein Arbeitgeber das katholische Bistum Limburg war, konnte sich der Leiter des kirchlichen Rentamtes nicht an das Gebot halten. Zu Beginn des Prozesses um die Veruntreuung von mehreren Millionen Euro hat der 55-Jährige ein Geständnis abgelegt.

"Meine Taten sind nicht entschuldbar, und ich bereue sie zutiefst", sagte er. Die Anklage vor dem Landgericht wirft ihm vor, von Oktober 2004 bis September 2009 insgesamt 2,7 Millionen Euro veruntreut zu haben. Eine gute halbe Stunde verlas der Staatsanwalt eine Liste mit 362 unerlaubten Barabhebungen des Angeklagten. Frühere Taten sind verjährt. Das Bistum schätzt den Gesamtschaden seit 1983 auf etwa 4,8 Millionen Euro.

Taten schön geredet

Der 55-Jährige stellte sich vor Gericht als treu sorgenden Vater dar, dem seine Verpflichtungen in Familie, Geschäften und Ehrenämtern über den Kopf gewachsen seien. Die Veruntreuungen seien ihm leicht gemacht worden. Auch nach Auftauchen eines ersten Verdachts 2006 habe das Bistum Prüfungen immer wieder abgebrochen.

Das Strafgesetzbuch sieht für Untreue bis zu fünf Jahre Haft vor, in schweren Fällen bis zu zehn Jahre. Sein Mandant werde "um eine Haftstrafe nicht herumkommen", räumte der Verteidiger vor Fernsehkameras ein. Der Staatsanwalt sagte, der Angeklagte habe gewerbsmäßig gehandelt, großen Schaden angerichtet und seine Amtsstellung missbraucht. Das Rentamt in Hadamar unterstützt 170 Kirchengemeinden und andere kirchliche Einrichtungen in Finanzen und Verwaltung.

Angeblich Geld für Kindergartenbau

In einem ausgeklügelten System gab der gelernte Industriekaufmann laut Anklage das veruntreute Geld als Zahlungen an die Stadt Limburg aus für Baumaßnahmen an einem katholischen Kindergarten. Ein oder zweimal jede Woche hob er jeweils 7500 Euro ab, um angeblich Überweisungsgebühren zu sparen. Mit dem Geld baute er für sich und seine zwei Töchter Häuser, leistete sich teure Urlaube und große Autos. Eine der Töchter bekam nach seiner Aussage monatlich etwa 5500 Euro, um das Defizit ihres Raumausstatter-Geschäfts zu decken.

Das Bild des treuen Familienvaters bekam jedoch Risse, als der Angeklagte vor Gericht einräumen musste, mit mindestens zwei Mitarbeiterinnen seines Amtes sexuelle Beziehungen gehabt zu haben. Eine davon war die zuständige Buchhalterin, die seine Abhebungen jeweils verbuchte. Weder diese Frauen noch seine Familie hätten von seinen Taten gewusst, sagte der Angeklagte.

Nach Angaben des Bistums flog die Untreue auf, als der Gesamtverband der katholischen Kirchengemeinden in Limburg 2006 zur kaufmännischen Buchführung überging - so wurden die Fehlbeträge deutlich. Bei zwei Millionen Euro lasse sich der Verbleib nachweisen, sagte der ermittelnde Kriminalbeamte als Zeuge aus. Etwa 700.000 Euro seien verschwunden. Der Angeklagte erklärte, er habe kein Geld oder anderes Vermögen versteckt.

Quelle: dpa