China-ImporteMelamin-Spuren in Keksen
In aus China importierten Keksen haben niederländische Behörden Spuren der Chemikalie Melamin entdeckt. Die Produkte wurden aus dem Handel genommen.
Die niederländischen Behörden haben in Import-Keksen aus China Spuren der Industriechemikalie Melamin entdeckt. Die Sorten Nuss und Schokolade der Keks-Marke "Koala" seien vom Markt genommen worden, teilte die Lebensmittelaufsicht in Den Haag mit.
Der britisch-niederländische Konzern Unilever stellte in Hongkong den Verkauf des Milchtee-Pulvers der Marke Lipton wegen Melamin-Spuren ein. Die Bundesregierung setzte per Eilverordnung ein umfassendes EU-Einfuhrverbot für Säuglingsnahrung aus China in Kraft. In China nahm die Polizei laut staatlichen Medienberichten weitere 27 Verdächtige im Milchskandal fest.
"Extrem kleines" Risiko
Die "Koala"-Kekse in den Niederlanden wurden den Angaben zufolge in chinesischen Geschäften verkauft. Die nachgewiesene Melamin-Menge sei jedoch gering, es bestehe nur ein "extrem kleines" Risiko. "Nur der tägliche Verzehr von zwei Kilogramm dieser Kekse würde Kinder gefährden", erklärte die Lebensmittelaufsicht.
Auch im Milchtee-Pulver der Marke Lipton seien "geringe Mengen" Melamin entdeckt worden, sagte ein Unilever-Sprecher. Das Produkt sei in Hongkong hergestellt sowie in Hongkong und Macau verkauft worden. Insgesamt habe das Unternehmen "einige Tausend Boxen" des Pulvers zurückgerufen.
Der US-Lebensmittelkonzern Heinz teilte unterdessen mit, in seinen in China und Hongkong verkauften Produkten keine Milch aus chinesischer Herstellung mehr zu verwenden.
Schärfere Kontrollen
Derzeit gebe es keine Hinweise, dass mit Melamin belastete Lebensmittel aus China nach Deutschland gelangt seien, erklärte das Verbraucherschutzministerium in Berlin. Die Einfuhr von Säuglingsnahrung aus China sei fortan verboten. Andere Lebensmittel aus der Volksrepublik dürfen nur eingeführt werden, wenn sie zuvor untersucht worden seien, erklärte das Ministerium.
Die Zeitung "China Daily" berichtete, dass seit dem Beginn der Ermittlungen bislang 36 Verdächtige gefasst worden seien. In 31 Provinzen des Landes seien Arbeitsgruppen eingerichtet worden, die das gesamte System der Milchproduktion und -vermarktung überprüfen und reformieren sollen. Landwirtschaftsminister Sun Zhengcai sagte der "Volkszeitung", die Regierung werde der Praxis der Melaminbeimischung zur Frischmilch ein Ende setzen.
An der verseuchten Milch starben in China vier Kinder, mindestens 53.000 Kinder erkrankten, weltweit mussten zahlreiche Lebensmittel aus dem Handel genommen werden. Zunächst war die Chemikalie in Babymilchpulver entdeckt worden, später aber auch in Frischmilch, Joghurt, Süßigkeiten und anderen Produkten.