Panorama

Nutzen, Missbrauch, GefahrenMelamin in Lebensmitteln

02.10.2008, 17:18 Uhr

Melamin-verseuchte Lebensmittel wurden nun auch in Deutschland gefunden. Doch was verbirgt sich hinter der Industriechemikalie - wo wird sie eingesetzt, wo bestehen Gefahren?

Auch im deutschen Einzelhandel sind nun mit Melamin verseuchte Nahrungsmittel aufgetaucht - es handelt sich um Weichkaramellen des chinesischen Herstellers "White Rabbit". In Belgien wurde die Süßigkeit ebenfalls in mehreren Asia-Shops entdeckt, und die niederländischen Behörden fanden Melamin in chinesischen Importkeksen. In China hatten jüngst tausende Säuglinge nach dem Konsum von mit dieser Chemikalie verseuchtem Milchpulver medizinisch behandelt werden müssen, vier Kinder starben. Die wichtigsten Fakten zu Melamin:

NUTZEN: Melamin ist eine stickstoffreiche organische Chemikalie, die sehr hitze-, feuer- und lichtbeständig ist. Durch chemische Umwandlung kann sie zu Kunstharzen verarbeitet werden, die vor allem in Klebstoffen, zur Produktion von Plastikgegenständen und in Flammschutzmitteln verwendet werden. Wegen seines hohen Stickstoffgehalts kommt Melamin zudem bei der Herstellung von Düngemitteln zum Einsatz.

MISSBRAUCH: Durch Messen des Stickstoffgehalts wird der Proteingehalt von Nahrungsmitteln bestimmt. Indem sie diesen Melamin beimengen, können die Hersteller daher einen höheren Proteingehalt vortäuschen. Laut Berichten westlicher Medien gibt es in China einen riesigen Schwarzmarkt für Melamin. Demnach werden dort offenbar Milch und Milchprodukte flächendeckend mit der gefährlichen Chemikalie versetzt.

GEFAHR: Melamin ist in Nahrungsmitteln verboten. Beim Verzehr ist es zwar nicht unmittelbar hochgiftig. Es kann jedoch die Bildung von Nieren- und Blasensteinen bewirken, da es in Verbindung mit anderen Stoffen Kristalle bildet. Die meisten der in China erkrankten Babys hatten drei bis sechs Monate lang vergiftete Babymilch getrunken. Der Verzehr einzelner der in den deutschen Handel geratenen "White Rabbit"-Milchbonbons stellt dagegen nach Behördenangaben "keine konkrete Gesundheitsgefahr" dar.

SCHLAGZEILEN: Bereits vor dem aktuellen Milchskandal wurden im vergangenen Jahr in China hergestellte und mit Melamin versetzte Zusätze in Haustierfutter für den Tod mehrerer Hunde und Katzen in den USA verantwortlich gemacht. Die Hersteller riefen mehrere Tierfutterprodukte zurück.