Dienstag, 06. Januar 2009
Deutschland erstarrt: Minus 26 Grad
Sibirische Kälte mit Werten von unter minus 20 Grad ist am Dienstagmorgen in Ostdeutschland angekommen. In Delitzsch bei Leipzig war es um 6.00 Uhr mit minus 26 Grad am kältesten in Deutschland. Nach Voraussagen der Meteorologen bleibt es auch in den nächsten Tagen recht kalt.
In Thüringen hat die Kälte bereits ein Todesopfer gefordert. In Weimar wurde eine 77 Jahre alte Frau tot gefunden. Die Bewohnerin eines Seniorenheims sei in der Nacht bei Minustemperaturen erfroren, sagte eine Polizeisprecherin. Sie habe an Altersdemenz gelitten und Schwierigkeiten mit der Orientierung gehabt. Die Seniorin wurde am Montagabend als vermisst gemeldet. Sie habe das Seniorenheim mit dem Hinweis verlassen, nur einen Abendspaziergang zu unternehmen. Dabei hatte sie nur eine Strickjacke getragen. Die Leiche wurde in einer nahe gelegenen Gartenanlage gefunden.
Kältetote auch in Ungarn und Italien
In Ungarn sind in den vergangenen Tagen bei Temperaturen von minus zehn Grad Celsius mindestens fünf Menschen erfroren. Vier Opfer wurden in ihren ungeheizten Wohnungen tot gefunden, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI berichtete. Ein 50-jähriger Mann fiel im Hof seines eigenen Hauses in der nordostungarischen Region Miskolc hin, konnte nicht mehr aufstehen und starb an Unterkühlung.
In Italien kamen bei Frosttemperaturen von minus 20 Grad mindestens sechs Menschen ums Leben. Eine 74-Jährige aus Ligurien starb in ihrer Wohnung, in der es keine Heizung gab. Fünf Bergsteiger stürzten von eisglatten Pfaden in den Tod. In Polen wurden mindestens zwei Kältetote gefunden. In Frankreich warnte der Wetterdienst vor Schnee und Eis von der belgischen Grenze bis zum Loire-Tal.
Die tiefsten Temperaturen in Bulgarien wurden mit 21,6 Grad in der im Norden gelegenen Stadt Knesha gemessen. Für Freitag wird ein neuer Kälteeinbruch mit noch tieferen Temperaturen erwartet. Die bisher tiefste Temperatur in Rumänien wurde im Karpatenort Intorsura Buzaului gemessen: Das Thermometer zeigte dort minus 31 Grad.
Berliner S-Bahnen eingefroren
Wegen ausgefallener S-Bahn-Züge sind viele Berliner zu spät zur Arbeit gekommen. An vielen Zügen seien Bauteile eingefroren, sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Auf allen Linien seien Züge im Berufsverkehr liegen geblieben. Auf einigen Strecken gab es Verspätungen bis zu 30 Minuten.
Behinderungen im Flugverkehr
Am größten Pariser Flughafen Charles de Gaulle mussten hunderte Passagiere die Nacht zum Dienstag in Hotelzimmern oder auf Bänken in den Terminals verbringen, berichtete der Radiosender France Info. Allein die französische Gesellschaft Air France hatte 150 Flüge gestrichen. Wegen der Wetterverhältnisse wurde nach Angaben des Flughafens auch am Dienstag wieder mit Verspätungen gerechnet.
Affenkälte macht Tieren zu schaffen
Die Affenkälte macht auch vielen Tieren in den Zoos zu schaffen. So dürfen die Menschenaffen, Brillenpinguine und viele Vögel im Leipziger Zoo derzeit wegen des Frosts nicht ins Freie. "Die Brillenpinguine kommen aus dem südlichen Afrika. Wenn wir sie nicht reinholen würden, würden ihnen die Flügelspitzen abfrieren", sagte der Zoo-Kurator für Säugetiere und Vögel, Konstantin Ruske. Bei den Vögeln müssen etwa die Roten Ibisse, die Papageien und die Tropischen Störche in ihr Winterquartier. "Die würden in der kalten Nacht draußen erfrieren, da sie nicht genügend gepolstert sind", sagte Ruske.
Im Zoo Halle wurden vor allem Vogelarten wie der Waldrapp oder Schwarzstörche in wärmere Quartiere gebracht. Die Elefanten bleiben in den nächsten Tagen wohl länger in ihren Behausungen als üblich: "Bei starkem Frost könnten ihre Ohren erfrieren, bei Eis besteht Sturzgefahr", sagte der stellvertretende Zoodirektor Timm Spretke.
Was des einen Leid, ist des anderen Freud: Einige Arten befinden sich nun draußen genau in ihrem Element - wie in Leipzig: "Die Sibirischen Tiger und die Schneeleoparden fühlen sich jetzt richtig wohl, sie spielen im Schnee, genießen das Wetter und sind deutlich aktiver als im Sommer", sagte Kurator Ruske.
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