Panorama

Nicht endender Schmerz der OpferMixa legt nach und betet

03.04.2010, 16:14 Uhr

"Diese Leute können sich doch gar nicht mehr an mich erinnern", sagt Bischof Mixa und weist die Misshandlungsvorwürfe gegen ihn erneut zurück. Auch er könne sich nicht mehr an die damaligen Heimkinder erinnern und erkenne sie auf neuen Zeitungsfotos nicht wieder. Die Opfer aber müssen ertragen, von Mixa als Lügner hingestellt zu werden.

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Mixa erinnert sich weder an die Heimkinder noch an die Schläge. (Foto: AP)

Der Augsburger Bischof Walter Mixa hat die von ehemaligen Heimkindern gegen ihn vorgebrachten Misshandlungsvorwürfe erneut zurückgewiesen. "Diese Leute können sich doch gar nicht mehr an mich erinnern", sagte der Bischof der "Welt am Sonntag". Auch er könne sich nicht mehr an die ehemaligen Heimkinder erinnern und erkenne sie auf neuen Zeitungsfotos nicht wieder. Trotzdem bete er für sie. "Für mich als Seelsorger sind sie Opfer, denen offenbar Unrecht geschehen ist", sagte der Bischof der "Bild am Sonntag".

"Ich bin gut zu euch, seid bitte auch gut zu mir"

"Mein Credo galt und gilt bis heute: Ich bin gut zu euch, seid bitte auch gut zu mir." Ein Gesprächsangebot des Bischofs hatten zwei der ehemaligen Heimkinder am Freitag abgelehnt. Mixa bedauerte das. "Ich hoffe, dass die Personen, die nach den Zeitungsberichten Vorwürfe gegen mich richten, diese Antwort über die Ostertage nochmals überdenken. Meine Einladung zu einem Gespräch bleibt jedenfalls bestehen."

Mindestens sechs ehemalige Heiminsassen haben Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer in Schrobenhausen von 1975 bis 1996 die Anwendung körperlicher Gewalt vorgeworfen. Von "Ohrfeigen, Fausthieben und Hieben auf das nackte Gesäß" war dabei die Rede. Schon vergangene Woche hatte Mixa alle Vorwürfe entschieden von sich gewiesen und über das Ordinariat erklären lassen, die Angaben seien "absurd und erfunden". Er habe nie Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ausgeübt.

Neuer Schmerz für die Opfer

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Der Bischof will für die Opfer - trotz ihrer "absurden" Beschuldigungen - beten. (Foto: dpa)

Eine heute 47-Jährige Frau aus Augsburg sagte, sie sei zu so einem Gespräch nicht bereit, solange Mixa die Prügel-Attacken abstreite. Er habe sie zwei- oder dreimal brutal geschlagen. Sie leide noch immer darunter. Ihr Lebensgefährte sagte, die Frau habe nach der Offenlegung der Prügeleien nur noch geweint und sei über Ostern weggefahren. Sie sei tief verletzt, von Mixa als Lügnerin hingestellt zu werden.

Neben Bischof Mixa haben ehemalige Heimbewohner auch Nonnen beschuldigt, in den 1970er und 1980er Jahren in dem Heim geprügelt zu haben. Ein Sprecher der Mallersdorfer Schwestern sagte der "Augsburger Allgemeinen", Mixa sei in den 70er und 80er Jahren von den Nonnen gerufen worden, wenn diese mit der Erziehung der Kinder und Jugendlichen überfordert waren. In einer Mitteilung der Mallersdorfer Schwestern im Internet hieß es, die Schwestern hätten damals Heimkinder auch "körperlich gezüchtigt". Dabei habe es sich jedoch "niemals um Gewalttätigkeit, sadistische Handlungen oder um ein Schlagen mit Gegenständen" gehandelt.

Zollitsch fordert "Aufklärung und Transparenz"

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, äußerte sich in einem Osterbrief an Seelsorger erneut "bestürzt" über die "schrecklichen Taten", die "gewaltig an unserer Glaubwürdigkeit als Kirche zehren". Der Freiburger Erzbischof sicherte die Aufklärung von Missbrauchsfällen zu, warnte aber zugleich vor einem "Generalverdacht" gegen Priester.

Zollitsch hob in seinem Brief an Priester, Diakone und alle Mitarbeiter in der Seelsorge des Erzbistums Freiburg hervor, dass von der Kirche zu Recht "Aufklärung und Transparenz" verlangt würden, auch in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft. "Wir alle haben unter dem zu leiden, was einige wenige getan haben." Aber "Vorverurteilungen sowie eine Vermischung von Vermutungen und Fakten" führten nicht weiter. "Verdacht heißt nicht Beweis." Laut Zollitsch sind im Erzbistum Freiburg in den vergangenen Wochen Beschuldigungen gegen 31 Menschen wegen sexueller Übergriffe eingegangen.

Kirche in den Grundfesten erschüttert

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Franz-Josef Bode (Foto: dpa)

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode sieht durch die Missbrauchsfälle eine "fundamentale Erschütterung" für die katholische Kirche. Es gebe eine große Verunsicherung bei Eltern, aber auch bei Priestern und kirchlichen Mitarbeitern, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Auch er sicherte Aufklärung zu, wandte sich aber ebenfalls gegen "Generalverdacht". Skeptisch äußerte er sich zu einer finanziellen Entschädigung. "Die Anerkennung erfahrenen Leids ist wichtig." Aber es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass sich die Kirche "freikaufen oder Schweigen erkaufen" wolle.

"Die Kirche hat auch viel vertuscht"

Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke forderte derweil einen Neubeginn. "Der neue Anfang muss heißen, dass wir wirklich aufklären, was geschehen ist", sagte Jaschke dem NDR. "Frühere Zeiten waren da nicht gerade vorbildlich. Die Kirche hat auch viel vertuscht - wie die gesamte Gesellschaft." Ein offensiver Umgang mit den Missbrauchsfällen sei "eine Chance und eine absolute Notwendigkeit", betonte der Weihbischof.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) rief die katholische Kirche auf, bei der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen ein Vorbild zu sein. Die Kirche müsse zeigen, wie ehrlich, konsequent, nachdenklich und selbstkritisch damit umgegangen werden könne, sagte das Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken der "Berliner Zeitung".

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast warf der katholischen Kirche in der "Welt am Sonntag" mangelnde Aufklärungsbereitschaft vor. Nötig seien unabhängige Untersuchungen, der Staat müsse hier mehr Druck ausüben, forderte sie. Auch den Runden Tisch der Bundesregierung lehnte sie ab, vielmehr seien "eine unabhängige Kommission des Bundestages und ein Entschädigungsfonds" nötig.

Quelle: dpa/AFP