Panorama

Vollverschleiert am SteuerMuslima droht die Ausweisung

24.04.2010, 13:23 Uhr

Weil sie für das Tragen eines Schleiers am Steuer eine Geldbuße zahlen musste, hat eine französische Muslima eine neuerliche Debatte um Diskriminierung ausgelöst. Nun bekommt die Geschichte eine neue Wendung: Das Innenministerium fand heraus, dass ihr Ehemann in Polygamie lebt und seine Frauen zu Unrecht Sozialleistungen beziehen. Der Innenminister verlangt nun, ihm die Staatsbürgerschaft zu entziehen.

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Zwei muslimische Frauen mit Burkas in der französischen Stadt Douai (Archivfoto vom 17.12.2009). (Foto: dpa)

Der Fall einer Muslima, die mit Gesichtsschleier Auto gefahren war und dafür einen Strafzettel kassiert hatte, zieht in Frankreich immer weitere Kreise. Nach einem lautstarken öffentlichen Protest gegen den Strafzettel über 22 Euro muss die Frau nun damit rechnen, gemeinsam mit ihrem Mann aus Frankreich ausgewiesen zu werden. Auch die Debatte um ein Verbot von Burkas wird weiter angeheizt.

Im Zuge des Streits ermittelte das Innenministerium, dass der in Nantes lebende Ehemann der 31-Jährigen in Polygamie mit insgesamt vier Frauen lebt und der radikalen Tablighi-Jamaat-Bewegung (Gemeinschaft der Verkündigung und Mission) angehört. Die vier Frauen sollen zudem alle unberechtigt Unterstützung für Alleinerziehende und andere Sozialleistungen beziehen.

Innenminister Brice Hortefeux forderte deswegen jetzt, dem geborenen Algerier den französischen Pass zu entziehen. Der Mann habe 1999 nach der Heirat mit einer Französin die französische Staatsbürgerschaft erhalten, berichteten französische Medien. Er soll zwölf Kinder von seinen vier Partnerinnen haben.

Knöllchen für Schleier am Steuer

Die Forderung des Innenministers wurde nur kurze Zeit nach einer Pressekonferenz der 31-jährigen Fahrerin bekannt. Dabei hatte die Französin den Strafzettel heftig kritisiert. Polizisten hatten sie angehalten, weil sie mit einem Gesichtsschleier Auto fuhr. Ihr Blickfeld werde von dem Schleier eingeschränkt, entschieden die Polizisten und verhängten ein Bußgeld.

Frankreich bereitet derzeit ein Gesetz zum Totalverbot von Kleidung vor, die wie Nikab und Burka das Gesicht bis zur Unkenntlichkeit verdecken. Premierminister François Fillon will das Gesetz im Eilverfahren noch vor dem Sommer durch das Parlament bringen. Die Verdeckung des Gesichts soll als Störung der öffentlichen Ordnung ausgelegt werden.

Quelle: dpa