Fischfang mit SolarlampenNeue Technologien für Afrika
Ein weltweit einzigartiges Projekt will in Afrika Solarstationen eröffnen. Bei der Energieversorgung für Entwicklungsländer wird damit Neuland beschritten.
Wenn Samuel Otieno demnächst nachts seine Netze auf dem Viktoriasee auswirft, wird ihm Sonnenenergie das nötige Licht liefern. Dank eines weltweit einzigartigen Projekts, wie das UN-Umweltprogramm UNEP sagt, kann der kenianische Fischer dann auf die im Wind in seinem kleinen Boot schwankende Kerosinlampe verzichten. Schluss mit der Furcht, die Lampe könnte bei einer Böe ins Boot stürzen und es in Brand setzen oder den Fang durch auslaufendes Kerosin unbrauchbar machen. "Als ich in meiner Genossenschaft von diesen Solarlampen hörte, hat mich das gleich interessiert", sagt er. "Aber ich muss natürlich erst ausprobieren, ob mit dem Aufladen alles klappt."
Projektleiter Wolfgang Gregor setzt auf einen Erfolg der nun im Fischerdorf Mbita eröffneten Solarstation, mit der Lampenhersteller Osram Neuland bei der Energieversorgung für Entwicklungsländer beschreitet. Die Menschen, für die die in Afrika längst vorhandenen Solarlampen zu teuer sind, können kleine Portionen Strom aus Sonnenenergie kaufen. Im Rahmen des Projekts mieten die Fischer am Viktoriasee die entsprechenden Lampen. Dafür müssen sie eine über Mikrokredite finanzierte Sicherheitsgebühr von umgerechnet etwa 100 Euro hinterlegen. Bezahlt werden muss das Aufladen an der Solarstation - zu einem Preis, der etwa einem Liter Kerosin entspricht.
Markt ist enorm
"Kerosin können die Leute in kleinen Mengen kaufen, das ist der Vorteil dieser Energiequelle", sagt Osram-Geschäftsführer Kurt Gerl. Doch Kerosin hat auch Nachteile: "Viele Fischer haben Lungenprobleme, weil sie die ganze Nacht die schädlichen Dämpfe einatmen", sagt Obiero Onganga von der kenianischen Hilfsorganisation Osienala. "Und die Preise sind seit den Unruhen nach den Wahlen stark gestiegen. Viele Fischer haben kein Geld aus dem Gewinn ihres Fangs übrig, weil alles in den Kauf von Kerosin gesteckt wird."
Drei weitere Solarstationen sollen in den kommenden Monaten in Kenia und Uganda den Betrieb aufnehmen. Nach der Auswertung der Pilotphase will das Unternehmen entscheiden, ob solche Stationen in ganz Ostafrika entstehen sollen. Der Markt jedenfalls ist enorm. Allein in Kenia verfügen laut internationalen Studien nur fünf Prozent der ländlichen und 45 Prozent der städtischen Bevölkerung über einen Stromanschluss.
Maßgeschneiderte Lösungen
Weltweit haben demnach 1,6 Milliarden Menschen keinen Zugang zu Elektrizität, die meisten von ihnen in Afrika und Indien. "Diese Haushalte verbrauchen jährlich 77 Milliarden Liter Kerosin. Das entspricht dem Energieverbrauch Argentiniens", sagt Gerl. Auch 190 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß gehen auf das Konto dieses Kerosinverbrauchs. Die Versorgung potenzieller Kunden in Afrika und Asien mit Solarstrom ist auch von wirtschaftlichem Interesse: So gibt bislang jeder Haushalt in Entwicklungs- und Schwellenländern etwa 70 bis 200 Euro für Kerosin im Jahr aus.
Achim Steiner, Direktor des UN-Umweltprogramms in Nairobi, begrüßt das Solarprojekt. "Afrika ist seit Jahren in der Situation, dass es Technologien von gestern verkauft bekommt", klagt er. Maßgeschneiderte Lösungen, die die speziellen Probleme und Lebensbedingungen der Afrikaner berücksichtigen, seien dagegen Mangelware. "Hier verbessert ein Projekt die Lebensbedingungen der Menschen, ist auch für die arme Bevölkerung finanzierbar und obendrein wird ein Beitrag für den Klimaschutz geleistet", sagt der UNEP-Chef.
Von Eva Krafczyk, dpa