Panorama

HIV-Infektion verschwiegenNeun Jahre Haft für Sex-Touristen

03.03.2011, 15:54 Uhr
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Warten auf Kundschaft - Prostituierte in Pattaya. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Er hat hundertfach Kinderprostituierte in Thailand missbraucht und ihnen seine HIV-Infektion verschwiegen: Das Lüneburger Landgericht verurteilt einen Sex-Touristen aus Celle zu neun Jahren Haft.

Das Landgericht Lüneburg hat einen HIV-infizierten Sex-Touristen zu neun Jahren Haft verurteilt. Der 66 Jahre alte Mann aus Celle hatte in Thailand hundertfach Mädchen missbraucht und ihnen seine Infektion verschwiegen. Er hatte die Taten weitgehend eingeräumt.

Die Staatsanwaltschaft hatte zusätzlich Sicherungsverwahrung beantragt, weil sie befürchtete, dass der Mann anhaltend gefährlich für die Allgemeinheit ist. Die Verteidigung hatte dagegen eine Strafe von höchstens siebeneinhalb Jahren gefordert.

Der Angeklagte hatte vor Gericht seine Taten bereut: "Ich habe die Mädchen benutzt und bereue das zutiefst", sagte er. "Ich habe die Situation in Thailand ausgenutzt."

Der Mann hatte eingeräumt, sich zwischen 2004 und 2009 in mehr als 400 Fällen an sieben Kindern und 23 Jugendlichen vergangen zu haben. Er gestand auch, ungeschützten Sex mit den Mädchen gehabt zu haben, ohne sie über seine HIV-Infektion aufzuklären. Dem Mann wird daher zusätzlich versuchte Vergiftung vorgeworfen. Das Gericht hatte dem früheren Musiker eine Höchststrafe von neun Jahren zugesagt, wenn er gestehe.

Opfern bleiben Aussagen erspart

Die Ausführungen des Angeklagten seien offenbar durchaus ehrlich gemeint, sagte der Vorsitzende Richter. Der Mann habe eingeräumt, dass mindestens 85 Prozent der Vorwürfe zuträfen. Die Anklage stützte sich bis dahin im Wesentlichen auf Tagebücher des Beschuldigten - er hatte über Kontakte zu "200 bis 250" Frauen akribisch Buch geführt.

Seinen thailändischen Opfern bleibt mit dem Geständnis eine Aussage in Lüneburg erspart. Eine der Kinderprostituierten, die von einem Hochhaus gesprungen war, als sie in Frankreich gegen einen französischen Sex-Touristen aussagen sollte, ist nach neuesten Erkenntnissen der Polizei noch am Leben. Das Mädchen hätte sich im thailändischen Pattaya in die Tiefe gestürzt, hatte der leitende Ermittler in dem Fall im Dezember ausgesagt.

Quelle: dpa