Panorama

"Es ist noch nicht vorbei"Öl-Leck dicht, keine Entwarnung

16.07.2010, 14:33 Uhr
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Der Zylinder hält. Eine dauerhafte Lösung ist der Verschluss allerdings nicht. (Foto: dpa)

Das undichte Bohrloch im Golf von Mexiko ist dicht. Noch ist allerdings unklar, ob der Auffangzylinder hält. Selbst BP betont, dass die Schließung des Lecks noch nicht den endgültigen Sieg gegen die Ölpest bedeutet. "Wir befinden uns erst am Anfang der Tests". Drei Monate dauert die Katastrophe bereits an.

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Bilder vom 26. Mai (oben links), 1. Juni (oben rechts), 13. Juli (unten links) und vom 15. Juli (unten rechts). (Foto: REUTERS)

Der Ölkonzern BP hat es erstmals seit Beginn der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko geschafft, das undichte Bohrloch zu schließen. Alle Ventile des Auffangzylinders in 1500 Meter Tiefe sind geschlossen. Das Ölleck sei damit vorübergehend abgedichtet, sagte BP-Manager Ken Wells.

Nach mehreren Fehlschlägen handelt es sich um den ersten echten Erfolg im Kampf gegen die schwerste Ölpest der US-Geschichte. Seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 22. April fließen Tag für Tag Tausende Tonnen Rohöl ins Meer. Weite Teile der US-Golfküste sind bereits verseucht, Touristenstrände verschmutzt, viele Fischer sind arbeitslos geworden.

Obama bleibt zurückhaltend

US-Präsident Barack Obama bewertete es als "gutes Zeichen", dass erstmals seit Beginn der Katastrophe kein Öl mehr aus dem Bohrloch ins Meer strömt. Ebenso wie der für das Fiasko verantwortliche Energiekonzern BP warnte Obama jedoch davor, bereits an einen endgültigen Erfolg zu glauben.

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Alle sechs Stunden wird der Druck gemessen - wird er zu hoch, drohen neue Lecks. (Foto: REUTERS)

Seit 21.20 Uhr MESZ "fließt kein Öl mehr in den Golf von Mexiko", sagte Wells. Allerdings warnte er vor überzogenen Erwartungen. Zunächst bleibe das Leck lediglich zu Testzwecken geschlossen. Diese Tests würden zwischen 6 und 48 Stunden dauern.

Die Tests sollen klären, ob das Steigrohr in der Tiefe bei der Schließung des Lecks dem Druck standhält oder ob es Lecks gibt. Alle sechs Stunden wollen die Experten den Druck messen.

"Nur am Anfang der Tests"

Wells betonte, dass die Schließung des Lecks noch keinesfalls den endgültigen Sieg gegen die Ölpest bedeute. Vermutlich könne das Leck nur vorübergehend geschlossen werden, wahrscheinlich werde man später wieder dazu übergehen, austretendes Öl auf Schiffe abzupumpen. "Wir befinden uns erst am Anfang der Tests." Experten gehen davon aus, dass das Leck später lediglich etwa während Hurrikans geschlossen wird, wenn ein Abpumpen des ausströmenden Öls nicht möglich ist.

Ähnlich äußerte sich Küstenwachen-Admiral Thad Allen, der von US-Präsident Barack Obama ernannte Einsatzleiter. Man sei zwar ermutigt durch die Entwicklung. "Doch es ist noch nicht vorbei."

Wie viel Öl bislang bereits ins Meer geströmt ist, lässt sich kaum klären. Bereits kürzlich warnte die Regierung, dass die Säuberungsarbeiten an der Küste zumindest bis in den Herbst dauern werden.

"Großflächig verdreckte Küsten"

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Öl auf der Wasseroberfläche im Golf von Mexiko. Während die Welt auf das Bohrloch schaut, findet die Katastrophe an den Stränden statt. (Foto: dpa)

Umweltschützer erwarten noch für lange Zeit verheerende Folgen für die Umwelt durch die schwerste Ölkatastrophe in der US-Geschichte. "Der Schaden in der Natur ist natürlich unermesslich groß", sagte der Meeresbiologe und Sprecher der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Christian Bussau, bei n-tv. "Wir haben hier ein Massensterben der Meerestiere, ein Massensterben der Vögel, großflächig verdreckte Küsten."

Die Reinigungsarbeiten werden nach Ansicht Bussaus noch monatelang andauern, und auch "in zwei oder drei Jahren" sei noch mit Folgen für die Natur rund um den Golf von Mexiko zu rechnen.

Bislang strömten Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge zwischen 2,3 und 4,5 Millionen Barrel Öl ins Meer. Das entspricht zwischen der 58- und 112-fachen Menge, die 1989 bei der Ölkatastrophe der Exxon Valdez in Alaska ausgelaufen war.

Quelle: AFP