Panorama

Mord an Mirco "unentschuldbar"Olaf H. gesteht und schweigt

12.07.2011, 13:07 Uhr
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Olaf H. scheut die Öffentlichkeit. (Foto: REUTERS)

Ende Januar führt Olaf H. die Polizei zur Leiche des kleinen Mirco aus Grefrath. Nun muss er sich in Krefeld vor Gericht verantworten. Vor Gericht lässt der Angeklagte sein Geständnis von seinem Anwalt bestätigen. Persönlich äußern will er sich erst mal nicht.

Im Prozess um den Mord an dem kleinen Mirco hat der Angeklagte Olaf H. die Tat auch vor Gericht gestanden. Sein Rechtsanwalt Gerd Meister äußerte sich gleich nach Prozessbeginn im Namen seines Mandanten und sagte: "Das, was in der Anklage steht, ist richtig." Die Tat werde "ihn für viele Jahre ins Gefängnis bringen". Die Staatsanwaltschaft wirft Olaf H. vor dem Landgericht in Krefeld Mord, sexuellen Missbrauch und Entführung vor. Meister sagte, der Angeklagte werde sich in dem Verfahren zunächst nicht weiter äußern. Er werde sich auch nicht bei den Eltern von Mirco entschuldigen, denn: "Diese Tat ist unentschuldbar".

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Vor dem Landgericht in Krefeld wurde eine kleine Gedenkstätte für Mirco eingerichtet. (Foto: dpa)

"Es ist einfach schrecklich, das sieht mein Mandant genauso", sagte der Verteidiger. Beim Eintreten in den bis auf den letzten Platz besetzten Gerichtssaal verbarg der angeklagte dreifache Familienvater sein Gesicht: Er trug eine Sonnenbrille, eine Baseballmütze und hielt einen Papierstapel vor sich.

Vor dem Gebäude standen schon am frühen Morgen viele Menschen Schlange, um einen Platz im Gerichtssaal zu bekommen. Gegenüber ist eine kleine Gedenkstätte für Mirco errichtet worden, mit Kerzen, Blumen und Fotos des Jungen.

Der Anwalt sagte, am Tag der Tat im September 2010 habe sein Mandant Mirco abgepasst, ihn ausgezogen und versucht, den Jungen sexuell zu missbrauchen - aber gemerkt, dass dies "nicht sein Ding" sei. Dann habe er den Jungen mit einer Schnur erdrosselt, um die Tat zu verbergen. Er habe aber nicht mit einem Messer auf das tote Kind eingestochen, wie es in der Anklage steht. Der Mann hatte am Tag seiner Festnahme Ende Januar bei der Polizei gestanden, den zehnjährigen Jungen getötet zu haben - und die Ermittler zu Mircos Leiche geführt.

Mutter tritt als Zeugin auf

Mit der Vernehmung von etwa 40 Zeugen überwiegend aus dem Umfeld des Angeklagten hofft das Gericht, die Persönlichkeit des Angeklagten erhellen zu können. Der Vorsitzende Richter Herbert Luczak hat 15 Verhandlungstage bis Ende September angesetzt. Mircos Mutter steht ein schwerer Auftritt bevor: Auch sie soll als Zeugin gehört werden.

Laut Anklage hat Olaf H. den Jungen mit einer Kunststoffschnur erdrosselt und ihm dann zusätzlich mit einem Messer in den Hals gestochen, um sicherzugehen, dass er wirklich tot ist. Die nackte Leiche des Kindes legte er in einem Waldstück nördlich von Grefrath ab.

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Die Soko Mirco hatte mit einem großen Aufgebot an Kräften und Technik nach Mirco gesucht. (Foto: REUTERS)

Mirco war Anfang September 2010 abends auf dem Nachhauseweg von einer Skaterbahn in seinem Wohnort verschwunden. Um das Kind zu finden, hatte die Polizei eine der größten Suchaktionen seit Jahrzehnten gestartet. 1000 Polizisten durchkämmten die Felder rund um Grefrath am Niederrhein. Die zeitweise 65 Mann starke Sonderkommissison der Kripo ließ Autos blitzen und Tornado-Flugzeuge der Bundeswehr aufsteigen. Der Müll von Parkplätzen wurde durchsucht, Handzettel verteilt, Plakate aufgehängt. Der damalige Soko-Leiter Ingo Thiel sagte vor Prozessbeginn im WDR-Rundfunk, dieser Fall sei das Emotionalste gewesen, was er erlebt habe.

Bürgerlich geprägte Welt des Täters

Rasch hatten die Ermittler einen VW Passat als mögliches Täterauto ausgemacht. Ein Fahrzeug dieses Typs war der Dienstwagen von Olaf H., Mitarbeiter eines Bonner Telekommunikationsunternehmens. Bis zu seiner Festnahme wohnte Olaf H. unauffällig mit seiner Frau und seinen Kindern in einer Eigenheim-Siedlung in Schwalmtal bei Mönchengladbach, 17 Kilometer südlich von Mircos Wohnort. "Er hat ein Selbstbild, das durch diese bürgerliche Welt geprägt ist", sagte sein Anwalt.

Quelle: dpa