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Panorama

Samstag, 24. Januar 2009

Mindestens 14 Tote: Orkan wütet über Europa

Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von nahezu 200 Stundenkilometern in Spanien, Deutschland und Frankreich haben mindestens 14 Menschen das Leben gekostet. Am schlimmsten wütete der Sturm in Spanien. In Sant Boi de Llobregat bei Barcelona wurden vier Kinder im Alter zwischen neun und zwölf Jahren beim Einsturz eines Sporthallendaches getötet. 13 Kinder und zwei Betreuer wurden verletzt.

In Deutschland starb östlich von Offenbach in Hessen ein 40 Jahre alter Mann, als sein Wagen auf eisglatter Fahrbahn mit einem entgegenkommenden Auto zusammenstieß. In Gerabronn (Baden-Württemberg) wurde ein 70 Jahre alter Mann von einem Scheunentor erschlagen, das der Sturm aus der Verankerung gerissen hatte. Im Süden Frankreichs wurde bei Dax ein 78-jähriger Mann auf seinem Grundstück von herumfliegenden Trümmern tödlich getroffen. Bei Mazerolles starb ein Autofahrer unter einem umstürzenden Baum. Am Abend gab die Präfektur des Landes den Tod einer dritten Person bekannt.

Schlimmster Orkan seit 15 Jahren

In Spaniens Norden sowie an der Mittelmeerküste kamen durch den schlimmsten Orkan seit 15 Jahren fünf weitere Menschen ums Leben, wie der Zivilschutz mitteilte. Vier von ihnen wurden von umstürzenden Bäumen oder Mauern erschlagen. Vor der Küste Galiciens ertrank ein Fischer. In dieser Region im Nordwesten des Landes erreichten die Böen Spitzengeschwindigkeiten von 194 Stundenkilometern. Vor der Küste wurden bis zu 21,5 Meter hohe Wellen gesichtet.

Hunderttausende in Spanien ohne Strom

In Nordspanien waren rund 700.000 Menschen stundenlang ohne Strom, weil der Orkan Hochspannungsleitungen beschädigt hatte. Zahlreiche Straßen waren wegen entwurzelter Bäume gesperrt, Dächer wurden abgedeckt und Werbetafeln oder Baugerüste umgeweht. Bei der Bahn und im Luftverkehr kam es zu Verspätungen. Mallorca und die übrigen Balearen-Inseln waren von der Außenwelt abgeschnitten, weil auch die Schiffsverbindungen eingestellt werden mussten. Auch in Portugal wurden Dutzende Bäume entwurzelt.

Viele Unfälle in Deutschland

Eisglatte Straßen, starke Schneefälle und Orkanböen mit Geschwindigkeiten bis zu 176 Stundenkilometern auf dem Feldberg verursachten in Deutschland zahlreiche Unfälle vor allem in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern. Bei den meisten Glatteisunfällen blieb es aber bei Blechschäden.

Auf der Autobahn 98 im Landkreis Konstanz wurden fünf Menschen verletzt, als ein Erdrutsch fünf Autos und einen Lastwagen unter sich begrub. Die Autobahn musste gesperrt werden. Die Erdmassen konnten nicht sofort abgetragen werden, weil der Hang weiter abzurutschen drohte. Die Polizei löste den Stau vor dem Erdrutsch zunächst nicht auf, um zwei Betrüger dingfest zu machen, die zwei Autos mit Falschgeld bezahlt hatten.

Millionen Franzosen im Dunkeln

In Frankreich brach die Stromversorgung für Millionen Menschen zusammen, weil entwurzelte Bäume auf die Leitungen gestürzt waren. Im Dpartement Landes waren 90 Prozent aller Einwohner ohne Elektrizität. Auch die Telefonleitungen fielen aus. Sogar die Handys waren nicht mehr einsatzbereit, weil die Stromversorgung der Relaisantennen unterbrochen war.

Flughäfen gesperrt

Die Flughäfen von Bordeaux und Toulouse wurden gesperrt, und der Bahn- und Straßenverkehr brach weiträumig zusammen. Helfer des Roten Kreuzes versorgten gestrandete Reisende. In den Pyrenäen wurden Wintersporteinrichtungen geschlossen. In einer waldreichen Region südlich von Bordeaux wurde wegen der Sturmschäden der Notstand ausgerufen. "Wir raten allen Privatleuten ab, aus dem Haus zu gehen und Auto zu fahren", erklärte die Präfektur. Im Dpartement Aude wurde der Autoverkehr verboten.

Mto France verglich den Sturm mit dem verheerenden Orkan "Lothar", der im Dezember 1999 über weite Gebiete West- und Mitteleuropas gefegt war. Die regionale Ausdehnung sei aber kleiner.

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