Panorama

"Boten der Hoffnung"Osterfeiern beginnen

01.04.2010, 22:19 Uhr

Priester seien berufen, "der Gewalt entgegenzustehen und der größeren Macht der Liebe zu vertrauen", so Papst Benedikt in seiner ersten Oster-Messe. Kein Wort verliert er über den Missbrauchsskandal. In den meisten katholischen Bistümern Deutschlands wird es eine Karfreitagsfürbitte für die Missbrauchsopfer geben.

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(Foto: dpa)

Bei angenehm warmem Frühlingswetter haben am Gründonnerstag die Osterfeierlichkeiten im Rom begonnen. Zum Auftakt zelebrierte Papst Benedikt XVI. im Petersdom eine Messe, bei der traditionell die heiligen Öle für Taufen und Firmung geweiht werden, und forderte die katholischen Priester auf, "Boten der Hoffnung" zu sein.

In seiner Predigt vor vielen Kardinälen, Bischöfen und Priestern ging Benedikt nicht auf den Missbrauchsskandal ein, der in Irland und Deutschland die katholische Kirche in eine tiefe Krise gestürzt hat. Auch Benedikt selbst steht in der Kritik, weil er bislang noch keine offizielle Erklärung zu den deutschen Vorfällen abgegeben hat. Priester seien berufen, "in der Gemeinschaft mit Jesus Christus Menschen des Friedens zu sein, der Gewalt entgegenzustehen und der größeren Macht der Liebe zu vertrauen", führte der Papst aus.

"Auch heute ist es für Christen wichtig, dem Recht zu folgen, das die Grundlage des Friedens ist", forderte Benedikt dazu auf, sich als gute Staatsbürger zu verhalten. Weiterhin sei es für die Christen allerdings auch wichtig, "Unrecht, das zu Recht erhoben wird, nicht anzunehmen - etwa wenn es um die Tötung unschuldiger ungeborener Kinder geht." Gerade so dienten Christen dem Frieden, erläuterte das Kirchenoberhaupt seine erneute Kritik an Gesetzen zur Abtreibung.

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(Foto: dpa)

Als erster festlicher Höhepunkt stand am Abend die traditionelle Fußwaschung in Roms Lateran-Basilika auf dem päpstlichen Programm. Dabei wäscht der Papst zwölf Priestern die Füße, in Erinnerung an die Geste der Demut und Barmherzigkeit Jesu Christi. In seiner Ansprache rief Benedikt Gläubige und Kirche zur Einheit auf und sprach von dem Schmerz Jesu, "dass wir seinem Gebet entgegenstehen. Dass wir seiner Liebe Widerstand leisten. Dass wir der Einheit entgegenstehen." Die Kollekte dieser Messe fließt in den Wiederaufbau des vom Erdbeben zerstörten Priesterseminars in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince.

Am Karfreitag werden wieder Zehntausende von Pilgern und Touristen zu dem traditionellen Kreuzweg am Kolosseum erwartet. Am Ostersonntag erteilt der Papst dann auf dem Petersplatz seinen Segen "Urbi et Orbi" (Der Stadt und dem Erdkreis).

Papst genießt Immunität

Papst Benedikt XVI. genießt als Oberhaupt des Kirchenstaates nach Einschätzung des obersten Vatikanrichters juristische Immunität. Benedikt könne daher in Missbrauchsprozessen gegen Priester nicht von ausländischen Gerichten vorgeladen werden, sagte Giuseppe dalla Torre der Zeitung "Corriere della Sera". In seiner juristischen Immunität sei der Papst allen anderen Staatsoberhäuptern gleichgestellt. Anwälte, die in den USA Opfer sexuellen Missbrauchs vertreten, erwägen seine Vorladung zu Prozessen, in denen er als Zeuge aussagen soll. Die Juristen halten den Papst als oberste kirchliche Autorität für das Vertuschen der Missbrauchsfälle verantwortlich.

Karfreitags-Fürbitte in Deutschland

In Deutschland will die große Mehrheit der katholischen Bistümer in den Karfreitags-Gottesdiensten eine besondere Fürbitte für die Opfer von sexuellem Missbrauch halten. Insgesamt 21 von 27 Diözesen wollen den vorgeschlagenen Text des Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, des Trierer Bischofs Stephan Ackermann, unverändert übernehmen. Einige Bistümer wollen Varianten verwenden. In Mainz will Kardinal Karl Lehmann in seine Karfreitagspredigt eine eigene Fürbitte einbauen.

In der von Bischof Ackermann vorgelegten Fürbitte wird ausdrücklich gebetet für Missbrauchsopfer in der Kirche: "für die Kinder und Jugendlichen, denen inmitten des Volkes Gottes, in der Gemeinschaft der Kirche, großes Unrecht angetan wurde, die missbraucht und an Leib und Seele verletzt wurden". Und weiter heißt es: "Allmächtiger, ewiger Gott (...). Sei mit deiner Liebe, deinem Trost und deiner Kraft allen nahe, denen großes Unrecht geschehen ist und die tiefe seelische Verletzungen erlitten haben; richte sie auf, heile ihre Wunden und stärke ihren Glauben; den Schuldigen aber gib Einsicht und Reue, die Bereitschaft zur Umkehr und den festen Willen, vergangene Untaten gut zu machen."

Quelle: dpa/rts