Weiße Macht legt Verkehr lahmDeutschland fällt in Winterstarre

Glätte, Eisregen und Schnee sorgen in ganz Deutschland für starke Verkehrsbehinderungen. Auf dem Flughafen Frankfurt am Main kommt der Flugbetrieb zeitweilig zum Erliegen, hunderte Menschen sitzen auf Flughäfen, in Staus auf Autobahnen und auf Bahnhöfen fest. In Thüringen führt das Winterwetter zu stundenlangen Stromausfällen.
Der Winter hat in Deutschland erneut zugeschlagen: Vor allem in einem Streifen vom Saarland über Rheinland-Pfalz, Hessen, Nordbayern, Thüringen und Sachsen löste das Winterwetter massive Probleme auf Straßen, Schienen und im Flugverkehr aus.
Starker Schneefall und Eisregen ließ tausende Thüringer ohne Strom im Kalten bibbern. In etwa 30 Orten der Kreise Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt war der Strom ausgefallen, teilte der Energieversorger Eon Thüringer Energie mit. Unter der Schneelast waren Bäume umgestürzt und hatten Leitungen zerrissen. Die Arbeiter kämen kaum an die Reparaturstellen heran, weil manche mitten im Wald lägen, erklärte ein Sprecher. Wegen zu großer Gefahr für die Monteure hätten die Arbeiten in der Nacht eingestellt werden müssen. Bei der Suche nach Schäden wurden sie von Hubschraubern unterstützt.
Flugpause in Frankfurt
Die heftigen Schneefälle in weiten Teilen Europas setzten dem Luftverkehr massiv zu. Allein am Frankfurter Flughafen wurde rund jeder vierte Flug gestrichen, wie die Betreibergesellschaft Fraport mitteilte. Damit fallen etwa 340 von rund 1400 geplanten Starts und Landungen aus.
Bereits in der Nacht zum Donnerstag war Deutschlands größter Airport vier Stunden lang geschlossen worden. Mehr als 2000 Passagiere verbrachten die Nacht in den Terminals. Fast 1000 strandeten nach Umleitungen auf dem Flughafen in Hannover-Langenhagen, etwa 700 in München. Da nicht für alle Hotelzimmer organisiert werden konnten, mussten Feldbetten her.
Auch die Berliner Flughäfen waren betroffen. In Tegel und Schönefeld sollten rund 60 Flüge ausfallen, sagte ein Sprecher der Betreibergesellschaft. In München fiel bis zum Mittag mehr als ein Dutzend Flüge aus. An den anderen Flughäfen gab es nur vereinzelt Annullierungen.
Enteiser für Flugzeuge wird knapp
Das frostige Winterwetter der vergangenen Wochen brachte die Versorgung der Flughäfen mit Enteisungsmitteln ins Stocken. Bei Clariant im hessischen Sulzbach, einem der wenigen Hersteller der Spezialchemikalien, läuft die Produktion mittlerweile rund um die Uhr. "Es gibt derzeit Engpässe", sagte Sprecher Ulrich Nies. Das Problem bestehe nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, hieß es von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen.
Bahn kaum eine Alternative
Bei der Bahn sorgte der Schnee ebenfalls für Probleme. Besonders betroffen war erneut die Strecke Nürnberg-Leipzig, die komplett gesperrt wurde, weil in Thüringen mehrere Bäume auf die Oberleitung zu stürzen drohten. Züge der ICE-Verbindung München-Berlin fuhren via Fulda und Erfurt, was etwa 90 Minuten Verspätung bedeutete. Außerdem kam es bundesweit zu zahlreichen Verspätungen, weil die Züge im Fernverkehr aus Sicherheitsgründen ihre Geschwindigkeit auf weniger als 200 Stundenkilometer drosseln mussten. Zeitweise waren es sogar nur 160 Kilometer pro Stunde gewesen.
Die Bahn bietet Fahrgästen, die von Donnerstag bis Sonntag wegen des Wetters ihre Reise nicht antreten können, erneut eine kostenlose Ticket-Rücknahme an. Informationen gibt es im Internet und über die kostenlose Hotline 08000/996633.
Übernachtung auf der Autobahn
Im Straßenverkehr gab es deutschlandweit hunderte Unfälle, bei denen es meist nur Blechschäden gab, sowie viele Staus, die sich zusammen auf mehrere hundert Kilometer summierten. Die Polizeibehörden berichteten von etlichen Lastwagen, die auf Autobahnen und Bundesstraßen liegengeblieben waren. In den Höhenlagen von Hunsrück, Westerwald und Eifel waren bis in die Nacht hinein mehrere Strecken gesperrt. Allein im Gebiet des Polizeipräsidiums Koblenz entstand bei mehr als 100 Unfällen laut Polizei ein Schaden in Millionenhöhe. In Nordrhein-Westfalen zählte die Landesleitstelle der Polizei allein bis zum frühen Morgen mehr als 800 witterungsbedingte Unfälle.
Auf der Autobahn 9 (Nürnberg-Berlin) in Thüringen war der Triptiser Berg trotz Dauereinsatzes des Winterdienstes nicht mehr passierbar - die Folge: Stau auf einer Länge von rund 40 Kilometern. Hunderte Autofahrer hatten die Nacht in ihrem Wagen verbringen müssen und waren von der Feuerwehr mit Essen und Getränken versorgt worden.
In Osthessen wurde die Autobahn 7 bei Fulda mehrere Stunden gesperrt. Die Reisenden harrten bei Minusgraden in ihren Fahrzeugen aus. Innerhalb kurzer Zeit waren bis zu 20 Zentimeter Schnee gefallen, vielerorts kam Glatteis hinzu.
Regen, Schnee und Temperaturen unter Null führten auch in Sachsen zu Behinderungen auf den Autobahnen. In Leipzig fiel die Tram total aus, nachdem Eisregen die Oberleitungen beschädigt hatte.
Keine Extrawurst für Stars
In Frankfurt warteten 11.000 frustrierte Fans vergeblich: Ein ausverkauftes Konzert der Sängerin Shakira fiel aus, weil die Künstlerin in Paris festsaß. Die Sportfreunde Stiller sagten ihr für den Abend in Hamburg geplantes Konzert ab, weil die Transporter mit der Tourneeproduktion die Hansestadt nicht erreichten. Schon in wenigen Tagen will das Trio sein Konzert aber nachholen: Der Auftritt in der O2 World ist für den 13. Dezember um 20.00 Uhr geplant.
Der Winter bleibt
Auch in den kommenden Tagen weicht der Winter nicht, am Samstag erwarten die Meteorologen vor allem an den Nordhängen der Mittelgebirge beträchtliche Neuschneemengen. Auf den Bergen kann es bei stürmischem Nordwestwind Schneeverwehungen geben. Am Freitag und Samstag kann es im Norden auch regnen. Das bedeutet Glatteisgefahr. Nach Ansicht des n-tv Meteorologen Björn Alexander macht der Winter am Wochenende eine kleine Pause, bevor es dann wieder richtig losgeht. "Die Schneefallgrenze steigt vorübergehend auf über 500 Meter, denn mit einem starken Wind erreichen die Temperaturen bis zu acht Grad plus. Ab Sonntag nimmt der Winter neuerlich Anlauf und wird sich in der kommenden Woche wieder richtig bei uns einnisten."