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Sonntag, 13. Mai 2007

Letzte Messe in Brasilien: Papst kritisiert Sekten

Papst Benedikt XVI. hat zum Abschluss seines fünftägigen Besuches in Brasilien indirekt die Abwerbungsstrategien der protestantischen Sekten und Freikirchen kritisiert. Die Kirche betreibe keine Abwerbung, sondern wachse vielmehr durch ihre Anziehungskraft, so wie Christus "durch die Kraft seiner Liebe alle zu sich hingezogen" habe, sagte der deutsche Papst am Sonntag vor hunderttausenden Gläubigen. Zur Eröffnung der fünften Lateinamerikanischen Bischofskonferenz feierte er eine Messe unter freiem Himmel vor der Basilika des Wallfahrtortes Aparecida im Bundesland So Paulo.

Vor dem Hintergrund des starken Rückgangs des Anteils von katholischen Gläubigen in ganz Lateinamerika wies der Papst auf die von seinem Vorgänger Johannes Paul II. erstmals erwähnte "neue Evangelisierung" hin. Benedikt rief in Aparecida die Katholiken des Subkontinents auf, "mutige und wirksame Missionare" zu sein. Joseph Ratzinger betonte auch in einer neuen Absage an die umstrittene Befreiungstheologie, der Glaube, der aus Lateinamerika "den Kontinent der Hoffnung" gemacht habe, sei "keine politische Ideologie, keine soziale Bewegung wie auch kein Wirtschaftsystem".

Bei seiner Ankunft auf dem Hauptplatz von Aparecida war der Papst zuvor bei sonnigem Wetter von hunderttausenden Gläubigen bejubelt worden. Die Fahrt im gepanzerten Papamobil fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Er drehte aber das Fenster des Fahrzeugs herunter und winkte der Menge fröhlich zu. Medien sprachen von 200.000 bis 400.000 Teilnehmern, die zum Teil die Nacht vor der Basilika verbrachten. Die Teilnehmerzahl blieb allerdings deutlich hinter den Erwartungen zurück. Man hatte auf eine Million Besucher gehofft und mit mindestens 500.000 gerechnet.

Am Samstag hatte der Papst in der Nähe von Aparecida ein Zentrum für junge Drogenabhängige besucht und dabei den Drogenhandel mit ungewöhnlich scharfen Worten kritisiert. Gott werde die Rauschgifthändler zur Rechenschaft ziehen, sagte er. Benedikt prangerte auch die "von Gott zurückgezogene Konsumgesellschaft" an. In der "Fazenda Esperana" (Landgut Hoffnung) wurde der Papst vom Zentrumsgründer, dem deutschen Franziskanermönch Hans Stapel, begrüßt.

Das Betreuungsmodell des 1983 gegründeten Zentrums basiert auf Spiritualität, Arbeit und Zusammenleben. Medikamente werden nicht eingesetzt. Die Erfolgsquote nach dem einjährigen Betreuungsprogramm liegt bei 80 Prozent. Inzwischen wurden nach diesem Muster 42 weitere Zentren weltweit errichtet, darunter auch zwei in Deutschland. Unter den in Guaratingueta 175 Kilometer östlich von So Paulo betreuten jungen Menschen sind neben Brasilianern auch Deutsche, Belgier und Russen. Stapel bezeichnete den Besuch des Papstes in seinem Zentrum als "historisch".

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