Panorama

Bus-Explosionen in ChinaPersönliche Rache, kein Terror

22.07.2008, 14:13 Uhr

Die tödlichen Anschläge auf zwei Linienbusse in Südwestchina waren offiziellen Angaben zufolge nicht gegen die Olympischen Spiele gerichtet, die kommenden Monat in Peking beginnen.

Die tödlichen Anschläge auf zwei Linienbusse in Südwestchina waren offiziellen Angaben zufolge nicht gegen die Olympischen Spiele gerichtet, die kommenden Monat in Peking beginnen. Das erklärten ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums und der Vizebürgermeister der Stadt Kunming, Du Min, nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Regierung hatte mögliche Terroranschläge zuvor als größte Bedrohung für die Spiele bezeichnet. Knapp zwei Wochen vor der Eröffnung hatten die Behörden landesweit die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Die Explosionen in zwei Bussen der Linie 54, bei denen zwei Menschen ums Leben kamen und mehr als ein Dutzend verletzt wurden, geben der Polizei weiter Rätsel auf. Einige Bewohner sollen vor den Explosionen mit einer mysteriösen SMS gewarnt worden sein. Das berichtete die Zeitung "Nanfang Dushi Bao". Dem Blatt zufolge hatten mindestens zwei Bewohner der Provinzhauptstadt Kunming in Yunnan die Kurznachricht erhalten. "Die allgemeine Mobilmachung der unbedeutenden Leute ("Maulwurfsgrillen und Ameisen") ... ich hoffe, dass die Bürger, die diese Nachricht erhalten, morgen früh nicht die Buslinien 54, 64 und 84 nutzen werden", hieß es darin.

Die Polizei wollte demnach aber nicht bestätigen, dass es sich um eine echte Warnung gehalten habe, und der Absender der SMS zu den Verdächtigen gehöre. Die Polizei tappt auf ihrer Suche nach den Tätern offenbar im Dunkeln. Sie hat eine Belohnung von 100.000 Yuan (9000 Euro) für Hinweise ausgelobt sowie eine Fahndung eingeleitet. Vor allem in den Grenzregionen der Provinz Yunnan zu den Nachbarländern Birma, Laos und Vietnam wurden die Polizeikontrollen verstärkt.

Persönliche Rachemotive

Der Terrorexperte Li Wei erklärte laut "South China Morning Post", dass es sich vermutlich nicht um einen Terroranschlag sondern womöglich eher um persönliche Racheakte gehandelt habe. Nach Polizeiangaben seien die Explosionen durch Ammoniumnitrat ausgelöst worden, das vor allem in der Landwirtschaft zum Düngen verwendet wird und unter Sitzen der Busse angebracht worden war. Die Explosionen hatten Löcher in die Verkleidung der beiden Busse gerissen, seien aber nur von geringer Stärke gewesen, erklärte Li Wei.

Die Polizei dementierte örtliche Medienberichte, wonach drei Menschen bei drei Explosionen getötet worden waren. Es habe Verwirrung wegen verschiedener Bezeichnungen der Explosionsorte gegeben, die zu unterschiedlichen Berichten geführt hätten. Bis auf eine schwer verletzte Person seien nun alle Passagiere außer Lebensgefahr. Die meisten hätten durch die starke Detonation Verletzungen im Innenohr davongetragen.