Panorama

Vorwürfe an die KollegenPflegerin hinterließ Briefe

14.12.2012, 07:57 Uhr
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Polizisten vor der Gerichtsmedizin in Westminster. (Foto: REUTERS)

Gegen die Radiomoderatoren, deren Telefonscherz möglicherweise den Selbstmord einer britischen Krankenschwester ausgelöst hat, gibt es Morddrohungen. Mehrere Mitarbeiter des Senders halten sich an einem "sicheren Ort" versteckt. Die Krankenschwester hinterlässt drei Abschiedsbriefe. In einem kritisiert sie offenbar ihre Kollegen.

Die beiden australischen Radiomoderatoren, die verantwortlich für den Telefonstreich mit dem Krankenhaus von Prinz Williams Frau Kate sind, haben Morddrohungen erhalten. Die Ermittlungen liefen, sagte ein Polizeisprecher im australischen Sydney. In einem Brief an Moderator Michael Christian hieß es, "Kugeln mit deinem Namen darauf" warteten auf ihn.

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Krankenschwestern im indischen Bangalore trauern um ihre Kollegin. (Foto: dpa)

Christian und seine Kollegin Mel Greig, zwei Moderatoren des australischen Radiosenders 2DayFM, hatten sich bei dem Anruf als Königin Elizabeth II. und Prinz Charles ausgegeben und sich nach Kates Befinden erkundigt, die wegen Schwangerschaftsbeschwerden behandelt wurde. Die Krankenschwester Jacintha Saldanha, die den Anruf angenommen hatte, stellte die beiden zu einer Kollegin durch, die entgegen den Vorschriften Auskunft gab. Drei Tage später wurde Saldanha tot im Schwesternheim aufgefunden.

Medien in Sydney berichten, mehrere Mitarbeiter von 2DayFM sowie das Management des Senders seien an einen sicheren Ort gebracht worden und würden rund um die Uhr bewacht.

Die Todesdrohungen wurden öffentlich, nachdem die Ermittler mitgeteilt hatten, dass Saldanha sich erhängt hatte. Die Polizei teilte mit, es gebe keinerlei "verdächtige Umstände".

Drei Abschiedsbriefe

Saldanha habe drei Abschiedsbriefe hinterlassen, berichtete Chefermittler James Harman bei einer Gerichtsanhörung in London. Die Pflegerin hinterlässt ihren Ehemann und zwei Kinder im Teenager-Alter, die Familie blieb der Gerichtsanhörung fern.

Die britische Zeitung "Guardian" berichtet, einer der Abschiedsbriefe behandele den Telefonscherz, ein weiterer enthalte Bitten, wie ihre Beisetzung zu gestalten sei, der dritte richte sich an ihren Arbeitgeber. In diesem Brief kritisiere Saldanha Mitarbeiter des Krankenhauses, so der "Guardian". Das King Edward VII Hospital hatte versichert, die Krankenschwester seit dem Vorfall unterstützt zu haben. Laut BBC soll die zweifache Mutter nach der Panne "einsam und verwirrt" gewesen sein.

2DayFM versprach inzwischen, die Hinterbliebenen von Saldanha mit mindestens 500.000 australischen Dollar (etwa 404.000 Euro) zu entschädigen. Ein Sprecher der Familie kritisierte allerdings das Verhalten des Senders: "Es gab keine schriftliche Entschuldigung, keine Bitte um ein Treffen mit der Familie und keine Anstalten, nach Großbritannien zu reisen und zu kondolieren."

Für Saldanha soll es eine Trauermesse in der Westminster-Kathedrale in London geben, der wichtigsten katholischen Kirche Englands. Diese solle am Samstag stattfinden, erklärte ein Kirchensprecher.

Quelle: ntv.de, hvo/AFP/dpa