Panorama

Beipackzettel missachtetPhantom-Rätsel gelöst

27.03.2009, 18:37 Uhr

Die Polizei in Baden-Württemberg gerät wegen der schweren Panne bei der Fahndung nach dem "Heilbronner Phantom" immer mehr in Erklärungsnot. Offenbar haben Fahnder die Hinweise im Gebrauchszettel der benutzten Wattestäbchen nicht gelesen.

Die Polizei in Baden-Württemberg gerät wegen der schweren Panne bei der Fahndung nach dem "Heilbronner Phantom" immer mehr in Erklärungsnot. Schuld an der Wattestäbchen-Affäre ist nach Ansicht der Herstellerfirma die Polizei. "Die Polizei hat nie gefragt, ob das Besteck für DNA-Tests geeignet ist", sagte der Geschäftsführer der Greiner Bio-One GmbH, Heinz Schmid. Die Wattestäbchen seien nicht für polizeiliche Ermittlungen gedacht. Dies gehe eindeutig aus der Gebrauchsanweisung hervor, erklärte der Forschungsleiter Günther Knebel.

"Es kann nicht sein, dass die Polizei ihre Wattestäbchen in der Drogerie holt", kritisierte der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack. Zugleich warnte er davor, die DNA-Analyse zu verteufeln. Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) muss aus Sicht der SPD-Opposition für die Panne die Verantwortung übernehmen. Wenn die Polizei aus Sparsamkeit unsicheres Analysematerial zur Spurensicherung eingesetzt habe, "kommt der Innenminister in Erklärungsnot", sagte SPD- Landtagsfraktionschef Claus Schmiedel.

Das Bundeskriminalamt (BKA) kündigte an, künftig bessere Mittel bei der Spurensicherung einzusetzen. Dass es Fehlverurteilungen aufgrund von DNA-Analysen gegeben haben könnte, schloss er aus: "Die DNA-Analyse ist ein taugliches Beweismittel."

Es gibt Gewissheit

Unterdessen ist aus den Ahnungen Gewissheit geworden. Die Gen-Spuren vom Mord an einer Polizistin in Heilbronn vor eineinhalb Jahren stammten nicht von einem Tatbeteiligten, sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Heilbronn, Volker Link. "Sie stammt, wie wir heute definitiv wissen, von einer anderen Frau." Es handele sich um die DNA einer Arbeiterin in einem Verpackungsbetrieb in Bayern, sagte der Präsident des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg, Klaus Hiller.

Die Fehler bei den Ermittlungen wurden nach den Worten Hillers durch die Wattestäbchen verursacht. Diese Stäbchen würden nun nicht mehr verwendet. "Die jetzt identifizierte Schwachstelle wird zu einer entscheidenden Verbesserung der Spurensicherung führen", erklärte der LKA-Präsident.

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass die an Dutzenden Tatorten gefundenen DNA-Spuren des "Phantoms" vermutlich nicht von einer Serienverbrecherin stammen, sondern eher auf Verunreinigungen von Wattestäbchen der Spurensicherung zurückgehen. Das "Phantom", die "Frau ohne Gesicht", wurde mit mehreren Morden und zahlreichen Einbrüchen in Verbindung gebracht, darunter mit dem Mord an einer Polizistin im April 2007 in Heilbronn.