Panorama

Mit Moskitonetz belohntPilotprojekt für HIV-Test

18.09.2008, 10:29 Uhr

In einem Pilotprojekt in der Kleinstadt Kakamega in Westkenia ist die Bevölkerung aufgerufen, sich freiwillig auf HIV testen zu lassen. Als Belohnung gibt es ein Moskitonetz.

Mit kühnem Schwung und unter dem Beifall kichernder Frauen in bunten Kangas - traditionellen afrikanischen Wickelröcken - wirft Klaus Oostergaard das Moskitonetz über den Rahmen. "Und nicht vergessen - das Netz muss gut unter die Matratze gestopft werden", mahnt er, während ein Helfer die Anweisungen auf Suaheli übersetzt. Die Frauen amüsieren sich prächtig, als ein anderer Helfer flink unter das Netz klettert und sich zum "Schlafen" auf der dünnen Schaumstoffmatratze ausstreckt.

Doch die Vorführung in der Kleinstadt Kakamega in Westkenia hat einen ernsten Hintergrund. "Malaria ist der größte Killer hier", sagt der Arzt Eric Lugada, kenianischer Landesdirektor der amerikanischen Hilfsorganisation CHF, die vor allem gegen die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit Aids in Entwicklungsländern kämpft.

Freiwilliger Test

In dem feuchtheißen Klima von Kakamega ist es kein Wunder, dass Malaria weit verbreitet ist. Ebenso wie Durchfallkrankheiten, die vor allem auf verunreinigtes Wasser zurückzuführen sind. Und auch Aids tötet in der Kleinstadt, wie in vielen Gemeinschaften in Afrika, in denen die Angst vor einem HIV-Test Tausende im Ungewissen lässt, ob sie womöglich infiziert sind. In Kakamega soll sich daran etwas ändern.

Die Bevölkerung der Stadt und umliegender Dörfer ist aufgerufen, sich in 30 Zentren freiwillig testen zu lassen. Wer so Auskunft über seinen HIV-Zustand erhält, bekommt obendrein ein Malarianetz und einen Wasserfilter, der für die kommenden drei Jahre sauberes Trinkwasser produziert. Der Andrang an den Tischen, an denen Klaus Oostergaard und 500 andere Helfer die Testanwärter registrieren, ist enorm.

Test im großen Maßstab geplant

Die integrierte Gesundheitsprävention, die gleich gegen mehrere Krankheiten auf einmal kämpft, beschreitet Neuland. Zu der Kampagne, während der 45.000 Menschen innerhalb einer Woche getestet werden sollen, hat sich CHF mit dem kenianischen Gesundheitsministerium und dem Unternehmen Vestergaard-Frandsen zusammengeschlossen. "Von Worten und Appellen alleine ist noch niemand gesund geworden. Und das hier funktioniert", sagt Mikkel Vestergaard mit Blick auf die Warteschlange. Der Unternehmer, der seine Jugend in Kenia verbrachte, wollte dem ostafrikanischen Land "etwas zurückgeben".

"Wenn es uns gelingt, 80 Prozent der Bevölkerung des Bezirks zu testen - eines der Milleniumsziele Kenias - dann ist das auch der Beweis, dass dieses Projekt im großen Maßstab angewandt werden kann", betont er. Wenn demnächst in New York in der UN über den Stand der Milleniumsziele diskutiert werde, sollten auch die ersten Erkenntnisse und Daten des Gesundheitsprojekts in Kakamega vorgestellt werden.

Aufregung und Gelassenheit

Der 33-jährige David Chibole ist reichlich nervös, als er sich in die Warteschlange für den HIV-Test einreiht. Nun umklammert er seinen Zettel mit der Registrierungsnummer. "Ich hatte wirklich Angst, ich könnte positiv getestet werden", gesteht der Fahrer eines Minibusses. "Ich hatte Glück. Nun will ich vorsichtiger leben." Die 32-jährige Flori Adula wirkt ebenfalls unsicher. "Ich kann meinem Ehemann nicht trauen, dass er nicht mit anderen Frauen schläft", seufzt sie, "Ich lasse mich testen. Und dann will ich ihn überreden, auch hierherzukommen."

Der elffache Vater Paul Akoyo hingegen, der mit seiner Frau zum Testzentrum gekommen ist, ist völlig gelassen. "Ich habe mich schon zweimal testen lassen, das ist doch nichts Schlimmes", sagt er. "Heute bin ich zum Test gekommen wegen des Wasserfilters und des Moskitonetzes. Das ist ein guter Tag für unsere Familie und unsere Gesundheit."

Quelle: Eva Krafczyk, dpa