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Ein Polizeihubschrauber kreist über einem Waldgebiet in unmittelbarer Nähe des Tatorts.
Ein Polizeihubschrauber kreist über einem Waldgebiet in unmittelbarer Nähe des Tatorts.(Foto: imago/Reichwein)
Mittwoch, 08. März 2017

Mord an Jungen in Herne: Polizei: Marcel H. "völlig unberechenbar"

Die Polizei fahndet intensiv nach dem 19-Jährigen Marcel H., der einen Nachbarjungen erstochen haben soll. Noch ist unklar, ob es ein weiteres Opfer gibt. Die Polizei warnt dringend vor dem Flüchtigen.

Nach der Ermordung eines Neunjährigen in Herne bei Bochum sucht die Polizei weiter nach dem mutmaßlichen Täter. "Er ist seit nunmehr 30 Stunden auf der Flucht. Wir hoffen, dass uns das in die Karten spielt und er aufgibt", zitiert die "WAZ" Bochums Polizeisprecher Volker Schütte. Der 19-Jährige gilt als extrem gefährlich. Er sei nicht nur Kampfsportler, sondern auch in einem "psychischen Ausnahmezustand und völlig unberechenbar".

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Die Polizei durchsuchte Autos und öffentliche Verkehrsmittel, durchkämmte Wälder und Schrebergärten, bisher allerdings erfolglos. Inzwischen wird bundesweit gefahndet. Im Fahndungsaufruf wird der Teenager als sehr schlank und etwa 1,75 Meter groß beschrieben. "Bloß nicht ansprechen, sofort die Polizei benachrichtigen", sagt der Polizeisprecher Schütte und appelliert an die Bürger: "Seien Sie vorsichtig!"Am besten sei es, den Notruf zu wählen, rät die Polizei. Die zuständige Mordkommission ist weiter unter der Rufnummer 0234 909-4244 für Hinweise zum Aufenthaltsort von Marcel H. zu erreichen.

Mehrere Messerstiche

Der 19-Jährige soll den kleinen Nachbarsjungen umgebracht und Bilder davon in einen anonymisierten Bereich des Internets gestellt haben. Das Ergebnis der Obduktion wird im Lauf des Tages erwartet.

Das Kind war am Montagabend erstochen im Keller von Marcel H. in einer Arbeitersiedlung gefunden worden. Der Neunjährige wohnte mit seiner Familie direkt nebenan. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wurde er mit mehreren Messerstichen getötet.

Die Polizei hat noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber, ob der flüchtige Verdächtige von Herne für weitere Todesopfer verantwortlich ist. Hinweise aus einem Chat, "wonach der Täter eine Frau in seine Gewalt gebracht, gefoltert und ermordet haben soll, haben sich bislang nicht bestätigt", teilte die Polizei Bochum mit. Dies könne "jedoch weiterhin nicht ausgeschlossen werden". Eingegangene Hinweise "werden derzeit intensiv geprüft", hieß es in der Mitteilung.

Am Dienstag hatten die Ermittler mitgeteilt, dass in einem Internet-Chat eine Botschaft im Namen des 19-jährigen Verdächtigen Marcel H. aufgetaucht sei. Darin sei von einem Kampf mit einer Frau und von Folter die Rede. "Sie leistete mehr Widerstand als das Kind", zitierte die Polizei aus dem Chat. Es sei nicht auszuschließen, dass es sich dabei um eine Falschmeldung handle, erklärte die Polizei. "Aber die Gefahrenlage macht es nötig, das ernst zu nehmen."

NRW-Innenminister "fassungslos"

Die Polizei war am Montag von einem Zeugen alarmiert worden, dem gegenüber der mutmaßliche Täter die Bluttat bei WhatsApp angekündigt hatte. Zur gleichen Zeit sei die Tat schon in einem anonymen Internet-Forum gepostet worden, sagte ein Polizeisprecher. Der Urheber dieses Posts lasse sich nicht nachvollziehen: "Man bewegt sich zwar im Internet, ist aber dennoch völlig anonym unterwegs." Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger sagte, die ins Internet gestellten Aufnahmen machten "auch die Ermittler fassungslos".

Marcel H. ist den Angaben zufolge auf dem Material in dem anonymen Internetforum klar erkennbar - ebenso auf Bildern, die inzwischen auch in normal zugänglichen Internetbereichen zu sehen seien. Er sei mit blutigen Händen neben der Leiche zu erkennen. Was ihn zu der Tat getrieben haben könnte, wollte ein Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Marcel H. habe auch Gedanken an einen Suizid angedeutet.

Quelle: n-tv.de

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