Trauer nach Amoklauf von LörrachPolizei erwartet Obduktionsergebnisse

Noch immer ist der vollständige Ablauf und das Motiv der Tragödie in Lörrach nicht ganz geklärt. Genauere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun von den Ergebnissen der Obduktion, die heute vorgelegt werden sollen. Aber so viel ist offenbar klar: Die Anwältin, die drei Menschen tötete, wirkte zuletzt "psychisch angespannt".
Nach dem in Lörrach versuchen Polizei und Staatsanwaltschaft, sich ein vollständiges Bild vom Ablauf und von den Motiven für die Tragödie mit vier Toten zu machen. Im Laufe des Tages könnte es die ersten erhellenden Erkenntnisse geben. Dann rechnet die Polizei mit den Ergebnisses der Obduktion der Leichname des Mannes und des fünfjährigen Jungen, sagte ein Polizeisprecher.
Die 41-jährige Frau hatte ihren Mann erschossen und ist vermutlich auch für den Tod ihres Sohnes verantwortlich. Den bisherigen Ermittlungen zufolge wurde der Fünfjährige erschlagen. Die beiden Leichen wurden in ihrer Wohnung gefunden. Danach stürmte sie in das benachbarte St. Elisabethen-Krankenhaus, tötete dort einen Pfleger und wurde kurz darauf von der Polizei erschossen. Durch den Brand, den sie in ihrer Wohnung gelegt hatte, mussten 15 Bewohner wegen Rauchvergiftungen behandelt werden.
Trennung als Auslöser?
Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei könnte die noch frische Trennung von ihrem Mann und dem fünfjährigen Sohn der Auslöser für die Tat der 41-Jährigen gewesen sein. Sie waren seit Juni getrennt. Die Sportschützin hatte nach Angaben der Oberstaatsanwaltschaft zuletzt "psychisch angespannt" gewirkt. In der Klinik, in der sie einen Pfleger erschoss, hatte sie vor sechs Jahren eine Fehlgeburt.
Die Rechtsanwältin Sabine R. brachte ihren Mann um, als der 44 Jahre alte Schreiner am Sonntagabend den Sohn bei ihr in einer Wohnung in dem Mehrfamilienhaus in der Lörracher Innenstadt abholen wollte. Sabine R. wohnte dort und hatte dort ihre Anwaltskanzlei. Der Junge lebte bei seinem Vater und war über das Wochenende zu Besuch bei seiner Mutter.
In dem Haus fielen nach Augenzeugenberichten Schüsse und dann gab es eine Explosion. Die Frau hatte beim Verlassen der Wohnung Feuer gelegt. Aus dem brennenden Haus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene sowie ein Kind. Warum Sabine R. dann auf dem Weg in die benachbarte St. Elisabethen-Klinik auf Passanten feuerte und in der gynäkologischen Abteilung einen 56 Jahre alten Pfleger tötete, ist noch nicht geklärt.
GdP lobt Polizei
Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) zeigte sich bestürzt. "Mein Mitgefühl gilt den Opfern und deren Familien", sagte Mappus. Zur Frage einer Verschärfung des Waffengesetzes sagte er, man müsse alle Informationen zunächst einmal sammeln. Letztendlich sei auch die Politik machtlos. "Man kann nicht generell verhindern, dass so etwas passiert, man kann es nicht vollständig ausschließen", so Mappus.
Nach Ansicht der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bewährte sich in Lörrach das Einsatzkonzept der Polizei zu Amoklagen. "Das schnelle und beherzte Eingreifen der baden-württembergischen Polizei in einer unübersichtlichen und chaotischen Situation hat möglicherweise weitere Opfer verhindert", erklärte der GdP-Chef Konrad Freiberg.
"Die Kollegen sind nach Winnenden entsprechend geschult worden, schnell und effizient einzugreifen", sagte Polizeisprecher Joachim Langanky in Lörrach. "Das Konzept ist voll aufgegangen." Das rasche Ende des Amoklaufes sei ein Ergebnis der neuen Maßnahmen.
Bestürzung in Lörrach
In der Nacht versammelten sich zahlreiche Trauernde in Lörrach vor den Tatorten. Sie zündeten Kerzen an und legten Blumen nieder. Zudem trugen sie sich in ein Kondolenzbuch ein. Unter den Trauernden waren viele Jugendliche. Sie hatten sich über das Internet verabredet und die öffentliche Trauer organisiert. Für die kommenden Tage sind zudem Gedenkgottesdienste geplant. Die Stadt Lörrach rief inzwischen zu Spenden für die Familie des von der Amokläuferin getöteten Pflegers und der durch die Hausexplosion obdachlos gewordenen Menschen auf.