Ermittlungen im Mordfall LenaPolizei räumt schwere Fehler ein
Die Polizei Emden räumt im Mordfall Lena eine schwere Ermittlungspanne ein. Der Tatverdächtige hatte demnach bereits 2011 Selbstanzeige wegen Kinderpornografie erstattet. Eine Festsetzung des Mannes und eine beantragte Hausdurchsuchung hätten jedoch nicht stattgefunden. Gegen die Emder Polizei wird jetzt strafrechtlich ermittelt.
Bei früheren Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen im Emder Mädchenmordfall hat es eine schwere Panne gegeben. Bereits im vergangenen November habe sich der 18-Jährige wegen Besitzes von kinderpornografischem Material selbst angezeigt, sagte der stellvertretende Osnabrücker Polizeichef, Friedo de Vries. Der Tatverdächtige habe dabei angegeben, dass er seine Neigung aktiv bekämpfen wolle und sich bereits in Betreuung befinde. Doch die Polizei versäumte eine richterlich angeordnete Hausdurchsuchung bei dem jungen Mann.
Demnach hätte der junge Mann, der David H. genannt wird. in Gewahrsam genommen werden müssen. Warum dies nicht geschehen sei, könne er sich nicht erklären, sagte der Vizechef der Polizei. Dies müsse jetzt herausgefunden werden. Polizeisprecher Andreas Wieck sagte, bei den Ermittlungen innerhalb der Polizei gehe es nicht darum, mehr Öl ins Feuer zu gießen. Es werde nicht nur gegen einen Beamten ermittelt. Möglicherweise hätte die Mordtat an der 11-jährigen Lena verhindert werden können.
"Wegen Kinderpornos angezeigt"
Weitere Vorwürfe gegen VerdächtigenDie Hinweise hatten die Ermittler vom Lebensgefährten der Mutter des Tatverdächtigen erhalten. "Ich habe bereits im September Anzeige erstattet wegen Kinderpornographie", sagt dieser in der RTL-Sendung "Explosiv". Demnach habe er damals entsprechende Fotos auf Davids Computer gefunden und an die Polizei weitergegeben.
Der Presserat warnte unterdessen im Zusammenhang mit der Berichterstattung über den Mord an Lena vor Vorverurteilungen. "Die Medien müssen die Unschuldsvermutung wahren, bis die Schuld eines Verdächtigen bewiesen ist", sagte die Sprecherin des Selbstkontrollgremiums, Ursula Ernst, der "Frankfurter Rundschau".
Zugleich sei es jedoch nicht zulässig, den Medien eine Teilschuld an vorschnellen Veröffentlichungen der Polizei zu geben, sagte Ernst. "Die Behörden haben ebenfalls klare Regeln, die nicht aufgeweicht werden dürfen, nur weil über Fälle mit großem öffentlichen Interesse auch groß berichtet wird."
Unerwähnt blieb nämlich bisher, dass offenbar immer wieder Informationen aus dem Kreis der Ermittler exklusiv preisgegeben werden. So berichtet die "Bild"-Zeitung inzwischen unter Berufung auf den Obduktionsbericht, Lena sei erstochen worden. Eine offizielle Erklärung zur Todesursache des Kindes gab es aber bislang gar nicht.
Keine Angaben zur Tatwaffe
Am vergangenen Wochenende hatte der 18-Jährige die Tötung Lenas gestanden. Er sitzt wegen Mordes in Untersuchungshaft. In der Wohnung des Tatverdächtigen sollen Gegenstände vom Tatort im Fall Lena und vom Tatort einer versuchten Vergewaltigung im November 2011 beschlagnahmt worden sein.
Der 18-Jährige habe außerdem drei Einbrüche gestanden. Die Staatsanwaltschaft beauftragte einen psychiatrischen Sachverständigen zur Begutachtung des Beschuldigten.
An diesem Mittwoch sollen Polizeitaucher nach Beweismitteln in den städtischen Wallanlagen in Emden suchen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei ankündigten. Zur Tatwaffe machte die Polizei keine Angaben.