Mordfall LenaPolizei sucht nach Tatwaffe

Ermittler in Niedersachsen tauchen vergeblich nach der Waffe, mit der die 11-jährige Lena getötet wurde. Womöglich ist der festgenommene 18-Jährige für weitere Taten verantwortlich. Noch ist nicht klar, welche Polizeiwache wegen der schweren Pannen gegen ihre Kollegen ermitteln soll. "Das berührt mich persönlich sehr", sagt Innenminister Schünemann.
Nach dem Mord an der elfjährigen Lena in Emden geht die Suche nach der Tatwaffe weiter. Vier Polizeitaucher aus Hannover und Oldenburg hatten am Mittwoch mehrere Stunden die Gewässer an den Emder Wallanlagen untersucht. Es wurden aber keine relevanten Gegenstände gefunden, wie die Polizei mitteilte. Das Mädchen soll erstochen worden sein, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.
Pannen im Fall Lena gravierendDie Mordkommission geht unterdessen weiteren Indizien und Hinweisen nach. Unter anderem geht es um einen Vorfall vom 1. März in Emden. Ein anonymer Anrufer hatte der Polizei gemeldet, dass ein Mann einen Jungen unweit des Bahnhofs angegriffen haben soll. Vor Ort war aber keiner der beiden mehr anzutreffen. Ein Zusammenhang zum Fall Lena sei nicht auszuschließen, hieß es.
Sieben Optionen
Zudem hat die Osnabrücker Polizei noch nicht entschieden, welche Behörde die Panne bei den früheren Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen untersucht. Für das polizeiinterne Ermittlungsverfahren kommt eine der anderen sechs Polizeidirektionen in Niedersachsen oder das Landeskriminalamt infrage.
Im Zuge der Pannenserie ermittelt die Staatsanwaltschaft Aurich gegen zwei Beamte der dortigen Polizeiinspektion wegen des Anfangsverdachts der Strafvereitelung im Amt. Außerdem gibt es Disziplinarverfahren gegen diese beiden und weitere Beamte. Das Innenministerium sprach von mehreren Sachbearbeitern sowie zwei Vorgesetzten bei der Polizei in Aurich.
CDU-Innenminister Uwe Schünemann räumte schwere Fehler der Beamten ein. Bei der Polizei Aurich habe es offensichtlich Versäumnisse und eine schleppende Sachbearbeitung gegeben. "Das ist etwas, was mich auch persönlich sehr berührt", sagte der Innenminister.
"Selbstanzeige war Teil der Therapie"
Der tatverdächtige 18-Jährige hatte die Tötung Lenas bei seiner Vernehmung am Wochenende zugegeben. Seitdem schweigt der in Untersuchungshaft sitzende Mann. Das Mädchen war am 24. März in einem Parkhaus umgebracht worden, vermutlich zur Verdeckung eines vorangegangenen Sexualverbrechens.
Der inzwischen in Untersuchungshaft sitzende 18-Jährige hatte sich bereits im November 2011 bei der Polizei Emden nach einer Behandlung in der Psychiatrie als Pädophiler angezeigt. Wenn der junge Mann damals rechtzeitig intensiver überprüft worden wäre, hätte der Mord an der elfjährigen Lena vielleicht verhindert werden können. "Er wollte gegen diese Krankheit ankämpfen. Teil dieser Therapie war die Selbstanzeige", sagte Landespolizeidirektor Volker Kluwe.
Die Selbstanzeige wegen sexuellen Missbrauchs wurde lediglich einem Kinderpornografie-Verfahren untergeordnet, obwohl die Nacktaufnahme einer Siebenjährigen das schwerere Vergehen war. Wie jetzt erst bekanntwurde, hatte den 18-Jährigen sein Stiefvater bereits im September 2011 angezeigt, weil er Kinderpornos auf dessen Computer heruntergeladen hatte.
Der junge Mann hatte die Tötung am Wochenende zugegeben. Seitdem schweigt er. Das Mädchen war am 24. März in einem Parkhaus umgebracht worden. Ursprünglich war ein 17-Jähriger verdächtigt worden.
Anwalt: Privatsphäre respektieren
Angesichts der Ermittlungspannen rief der Anwalt von Lenas Familie der "Neuen Osnabrücker Zeitung" zufolge zur Besonnenheit auf. Bernhard Weiner sagte: "Versäumnisse sollten zunächst gründlich aufgeklärt werden, um dann auf sicherer Informationsbasis Schlüsse zu ziehen und über Konsequenzen zu entscheiden."
Zugleich forderte der Anwalt aus dem emsländischen Meppen, die Privatsphäre von Lenas Familie zu respektieren. "Ihre Wohnung ist von Neugierigen und Medienvertretern belagert", sagte er. Wer die Familie unterstützen wolle, solle sich "zurück- und fernhalten oder für Lena und ihre Familie beten".