Panorama

UN-Weltstädteforum tagt in Rio"Recht auf Stadt" - auch in Slums

23.03.2010, 21:53 Uhr
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Häuser in der Favela Providencia in Rio de Janeiro. (Foto: picture-alliance/ dpa)

Das fünfte Weltstädteforum der Vereinten Nationen steht unter dem Motto "Recht auf Stadt - Die Kluft überbrücken". Entsprechend geht es nicht nur um die ungebrochene Verstädterung auf der Welt, sondern auch um die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Armenvierteln.

Der Trend zum Leben in der Stadt ist ungebrochen. Mehr als die Hälfte der knapp sieben Milliarden Menschen auf der Erde lebt schon heute in Städten, und in etwa 50 Jahren werden es nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) etwa zwei Drittel sein. Gleichzeitig wächst die Zahl derer, die ohne sauberes Wasser, ohne Strom und ausreichende sanitäre Einrichtungen in Armenvierteln, in Slums leben müssen. Beim UN-Weltstädteforum in der brasilianischen Millionenmetropole Rio de Janeiro diskutieren seit Montag mehr als 15.000 Teilnehmer aus über 160 Ländern über Wege für ein menschenwürdiges Leben in den Mega-Städten des 21. Jahrhunderts.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte in einem verlesenen Grußwort an die Konferenzteilnehmer die desolate Situation der Slumbewohner. Sie müssten nicht nur mit der verheerenden Armut in den Städten fertig werden, sondern auch mit den negativen Folgen des Klimawandels. Die Lebensbedingungen in den Slums seien ein Verstoß gegen das Menschenrecht der Bürger. Das fünfte "World Urban Forum" (bis 26. März) wird vom UN-"Programm für menschliche Siedlungen" (Habitat) ausgerichtet und steht unter dem Motto: "Recht auf Stadt - Die Kluft überbrücken".

Die Schere öffnet sich immer weiter

In Millionen-Städten wie São Paulo, Rio, Johannesburg, Mexiko-Stadt, Mumbai oder Lagos scheint für die Bewohner die soziale Kluft oft unüberbrückbar. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verwies bei der Eröffnung der Konferenz am Montag zwar auf die Fortschritte bei der Armutsbekämpfung und der Stadtentwicklung in seinem Land. Nach einer Habitat-Umfrage in 30 Städten in Lateinamerika und der Karibik, Afrika und Asien kommen urbane Reformen und Infrastrukturprojekte wie Straßenbau, Kanalisierung und Uferbefestigungen an Flüssen aber vor allem den oberen Einkommensschichten zugute.

Das UN-Programm kommt zu dem Schluss: "Politiker, öffentliche Angestellte und Reiche profitieren am meisten von der Verstädterung, während das Anrecht von Millionen Mitbürgern auf die Stadt nicht anerkannt wird." Dennoch: Immer mehr Menschen zieht es in die Armensiedlungen, ob sie nun Favela, Township, Ghetto oder Slum heißen. Nach Habitat-Angaben schafften zwar zwischen 2000 und 2010 weltweit 227 Millionen Menschen den Sprung aus den Slums in ein besseres Leben. Gleichzeitig stieg aber im selben Zeitraum weltweit die absolute Zahl der Slumbewohner: von 776,7 Millionen auf 827,6 Millionen - und vermutlich dürfte die Dunkelziffer deutlich darüber liegen.

Quelle: dpa