"Arctic Sea"Reeder spricht von Entführung
Das mysteriöse Verschwinden eines Frachtschiffs gibt Rätsel auf: Der Frachter "Arctic Sea" könnte nach Befürchtungen der britischen Küstenwache irgendwo auf der Ost- oder Nordsee von Piraten gekapert und entführt worden sein.
Auch die finnische Reederei hat erstmals von einer Entführung gesprochen. "Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass das Schiff entführt wurde", sagte der Direktor der finnischen Reederei Solchart, Viktor Matveyev. Die "Arctic Sea" war auf dem Weg von Finnland in den algerischen Hafen Bejaia. Dort wurde der 4000-Tonnen-Frachter am 4. August erwartet, kam aber nicht an.
Nach Expertenansicht sind vor der deutschen Küste Piratenangriffe auf Schiffe oder nur das unbemerkte Verschwinden eines Frachters undenkbar. "In diesen dicht befahrenen und gut kontrollierten Gewässern überfällt man nicht einfach mal so ein Schiff", so der für die Überwachung der östlichen Nordsee zuständige Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Cuxhaven, Bernhard Meyer. Der Fachmann hält Überlegungen um eine Seeräuber-Attacke "für reine Spekulation". Verwunderlich sei aber, dass offenbar auch von der Reederei nicht Alarm geschlagen wurde.
Der letzte Funkkontakt des unter maltesischer Flagge fahrenden Schiffs war am 28. Juli bei der Einfahrt in den Ärmelkanal registriert worden. Die letzte Bewegung wurde am 30. Juli vor der französischen Küste aufgezeichnet, auch vor Portugal wurde es noch ausgemacht. An Bord ist eine 15-köpfige russische Besatzung. Seit Mittwoch beteiligt sich auch die russische Marine an der Suche des Frachters, der Holz im Wert von einer knappen Million Euro geladen hat.
Zwischenfall in der Ostsee
Nach Angaben der maltesischen Schifffahrtsbehörde war der Frachter am 24. Juli vor der schwedischen Küste von acht bis zwölf mit Gewehren und Pistolen bewaffneten Männern geentert worden, die sich als Drogenfahnder ausgaben. Dabei seien die Besatzungsmitglieder misshandelt und zum Teil schwer verletzt worden. Die schwedische Regierung habe mitgeteilt, ihre Sicherheitskräfte seien nicht auf der "Arctic Sea" eingesetzt gewesen.
Sollten Piraten die "Arctic Sea" tatsächlich entführt haben, wäre es der erste Fall dieser Art in EU-Gewässern. Seeräuber machen derzeit das vielbefahrene Seegebiet am Horn von Afrika unsicher und haben mit der Entführung von Schiffen viele Millionen Dollar erpresst. An einer internationalen Armada zur Abwehr der somalischen Piraten beteiligt sich auch die Deutsche Marine. Am 3. August war der deutsche Frachter "Hansa Stavanger" gegen Lösegeld nach vier Monaten freigegeben worden.