Mindestens 113 ToteRegen stürzt Rio ins Chaos

Mehr Regen fiel in Rio seit vier Jahrzehnten nicht - Teile der brasilianischen Millionen-Metropole stehen unter Wasser. In der Stadt am Zuckerhut und benachbarten Orten wie Niterói und São Gonçalo herrscht höchste Alarmstufe. Tausende Menschen sind obdachlos.
Die stärksten Regenfälle seit mehr als vier Jahrzehnten haben Rio de Janeiro ins Chaos gestürzt und mehr als 100 Menschen das Leben gekostet. Die meisten starben bei Erdrutschen in den Armenvierteln (Favelas) der brasilianischen Metropole und umliegenden Orten. Schlamm- und Geröllmassen rissen die oft illegal und provisorisch an Hängen errichteten Häuser und ihre Bewohner mit in die Tiefe. Zwar ließ der Regen nach. In der Stadt am Zuckerhut und benachbarten Orten wie Niterói und São Gonçalo herrschte aber höchste Alarmstufe. Tausende Feuerwehrleute waren im Einsatz, denn noch immer wurden Menschen vermisst. In einigen Stadtteilen Rios bot sich den Helfern ein Bild der Verwüstung.
Nach Angaben des Zivilschutzes kamen bei dem Unwetter in Rio de Janeiro und umliegenden Orten 113 Menschen ums Leben. Die Feuerwehr sprach sogar von 118 Toten. Fast 2000 Menschen wurden obdachlos. Bürgermeister Eduardo Paes ordnete eine eintägige Schließung der Schulen an und bat die Cariocas, die Einwohner Rios, nur absolut notwendige Fahrten zu unternehmen. Dadurch sollten die Straßen für Rettungs- und Aufräumfahrzeuge freigehalten werden. Am Dienstag war der Verkehr in der Stadt völlig zusammengebrochen. Umgestürzte Bäume blockierten Straßen und Kreuzungen, Tunnel waren bis zur Decke überflutet und zahllose Autos standen bis zum Dach im Wasser.
Todbringende Gerölllawinen
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelten Brasiliens Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und den Angehörigen der Opfer Beileidswünsche. Die Rettungskräfte befürchten, dass die Zahl der Todesopfer noch steigt, denn noch immer werden Menschen vermisst. Viele konnten sich nur mit Glück aus den hüfthohen braunen Wasserfluten retten. Einige verbrachten die Nacht in ihren Autos, weil sie fürchteten, dass die Fahrzeuge gestohlen werden könnten.
Nach Worten von Bürgermeister Paes wurde Rio vom heftigsten Regen seit 1966 heimgesucht. In nur 24 Stunden fielen 288 Liter Regen auf einen Quadratmeter; 1966 waren es 245 Liter. Hunderte Erdrutsche wurden in der Nacht zum Dienstag und am Tag registriert. Die todbringenden Gerölllawinen reißen auf ihrem Weg nach unten alles mit, was sich ihnen in den Weg stellt. Auf dem Favela-Hügel "Morro dos Prazeres" im Stadtteil Santa Teresa kamen 14 Menschen ums Leben. Eine 17-Jährige verlor ihre ganze Familie: Vier Brüder, ein Neffe, Vater und Mutter, alle wurden sie verschüttet.
Die Stadtverwaltungen schätzt, dass in den Hunderten von Favelas in und um Rio de Janeiro etwa 10.000 Häuser in Risiko-Zonen stehen. Es gibt bereits seit langer Zeit Pläne, diese Häuser abzureißen und die Bewohner umzusiedeln. Allerdings müssen die Behörden mit Widerstand rechnen, denn viele Favelas sind fest in der Hand von Drogenbanden. Auf dem "Morro dos Prazeres" kam es selbst am Dienstag zu Schießereien zwischen Polizisten und Drogenhändlern.