Dienstag, 07. August 2007
Holocaust-Mahnmal: Risse in hunderten Stelen
Gut zwei Jahre nach seiner Eröffnung hat das Holocaust-Mahnmal in Berlin Schäden: Rund jede sechste der 2700 Betonstelen hat Risse. "Das ist ein ästhetisches Problem, kein statisches", sagte Uwe Neumärker, Geschäftsführer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, am Dienstag. 393 Stelen durchzögen Haarrisse, die durch weiße Kalkablagerungen optisch hervorgehoben würden, bestätigte er einen Bericht der "Berliner Zeitung". Die Risse hätten meist nur eine Breite von 0,1 Millimetern und sollen beseitigt werden. "Die Standfestigkeit der Stelen ist nicht beeinträchtigt", betonte Neumärker. Das von dem amerikanischen Architekten Peter Eisenman entworfene Denkmal mit 2711 Betonstelen und einem unterirdischen Informationsraum unweit des Brandenburger Tores war am 10. Mai 2005 eröffnet worden.
Die Rissbildung sei keine Überraschung und seit längerem bekannt. "Das Mahnmal ist die zentrale deutsche Holocaust-Gedenkstätte, aber zugleich ein Bauwerk", sagte der Geschäftsführer. Der Beton, der eigens für die Stelen-Konstruktion von der Herstellerfirma gemischt worden sei, sei hochwertig. "Doch bereits im Vertrag hat die Firma auf die Möglichkeit hingewiesen, dass sich Risse bis zu 0,1 Millimetern Breite bilden können", sagte Neumärker. Die Risse fielen durch die weißen Kalkfahnen, die durch eingetretenes Regenwasser ausgelöst wurden, auf dem dunklen Beton erst richtig auf.
"Wir arbeiten zusammen mit dem Architekten Eisenman und der Technischen Universität Berlin an der Behebung des Problems, und die Lösung liegt schon so gut wie auf dem Tisch", sagte der Geschäftsführer. Die Risse sollen mit Kunstharzinjektionen verschlossen und anschließend farblich an die Stelen angepasst werden.
Nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sollen die Schäden noch im Herbst beseitigt werden. Die Ursachen seien nicht eindeutig klar. "Aber in Beton bilden sich immer Risse", sagte die Sprecherin. Die Kosten - nach Schätzung der Stiftung unter einer Million Euro - soll die Herstellerfirme im Rahmen der Gewährleistung tragen. Insgesamt hatte das Mahnmal 10,5 Millionen Euro gekostet.
Als Ursachen nimmt Neumärker die Temperaturschwankungen in den Jahren 2005/2006 an - erst der extrem lange und kalte Winter, gefolgt von einem langen, atypisch heißen Sommer 2006. "Beton arbeitet ja, diese Temperaturunterschiede müssen ausgeglichen werden." Es könnten aber auch Erschütterungen durch die nahe verlaufende S-Bahn und die Arbeiten am Neubau der benachbarten US-Botschaft sein.
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