Panorama

Aus purer Lust am Morden?Satanisten töteten Taxifahrer

10.04.2014, 11:29 Uhr
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Der Vizepräsident des Landgerichts Tübingen, Martin Streicher (M.), eröffnet den Prozess. (Foto: dpa)

Zwei junge Männer reisen nach Prag, setzen sich in ein Taxi und locken den Fahrer zu einem Friedhof. Dort hacken sie mit einem Beil auf ihn ein. Sie sind besessen von satanistischen Phantasien und Vampirismus. Jetzt stehen der 16- und der 22-Jährige vor Gericht.

Sie sollen ihr Opfer niedergemetzelt haben wie in einem Horrorfilm. Mit einem Beil und einem Schraubenschlüssel hacken zwei junge Deutsche im vergangenen Sommer 42 mal in Prag auf einen Taxifahrer ein. Der 39-jährige Familienvater bekommt einen Schlag in die Halsschlagader und stirbt an den schweren Verletzungen.

Die Täter sind offenbar besessen von einer willkürlichen Mordlust und brauchen Geld. Davon geht zumindest die Staatsanwaltschaft Tübingen aus, wo der brutale Mord ab heute am Landgericht verhandelt wird. Die mutmaßlichen Täter sind 16 und 22 Jahre alt und haben den Mord gestanden.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben die beiden ein "ausgeprägtes Interesse" an Satanismus und Vampirismus. In ihrer Freizeit beschäftigen sie sich demnach mit Musik und Filmen mit "teilweise massiv gewalttätigen Elementen". Schon in der Vergangenheit seien sie verhaltensauffällig gewesen und hätten zuletzt in Wohngruppen im schwäbischen Rottenburg gelebt.

Mordlust, Habgier und Heimtücke

Die Anklage geht davon aus, dass in den beiden jungen Männern der "gemeinsame Entschluss reifte, einen Menschen zu töten". Das wertet die Anklage als "Mordlust". Mordlust bedeutet in der Justiz, dass es einem Täter um das bloße Töten geht, das Opfer ist dabei austauschbar. Diese Lust treibt die späteren Mörder bereits einige Monate zuvor dazu, auf einem Weinberg in der Nähe ihres Wohnortes einen Mann anzugreifen - ebenfalls mit einem Beil bewaffnet. Dieser kann jedoch rechtzeitig fliehen, bevor die Satanisten ihren Plan umsetzen können.

In Prag ist das anders. Die Deutschen lassen den Taxifahrer dort in ein abgelegenes Gebiet fahren und an einem Friedhof halten. Den arglosen Mann verwickeln sie in ein Gespräch, bevor sie unvermittelt zuschlagen. Nachdem sie den Tschechen mit ersten Beilschlägen so verletzt haben, dass er nicht mehr fliehen kann, beginnen sie mit einer regelrechten Blutorgie.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Mordmerkmale der Habgier und der Heimtücke als erfüllt an. Psychologen halten den Jugendlichen und den jungen Mann für schuldfähig. Im Falle des Erwachsenen sei demnach eine lebenslange Freiheitsstrafe, im Falle des Jugendlichen eine zehnjährige Freiheitsstrafe zu erwarten, so die Tübinger Staatsanwaltschaft.

Für den Prozess sind zehn Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll am 27. Mai gesprochen werden.

Quelle: ntv.de, nsc