"Daisy" zieht über Deutschland Schnee und eisiger Sturm

Nach dem Dauerfrost der vergangenen Tage wird in ganz Deutschland Schnee erwartet. Vor allem für Samstag warnen Meteorologen vor gefährlichen Schneeverwehungen. Das eisige Winterwetter soll bis Mitte kommender Woche anhalten. In einigen Regionen wird bereits das Streusalz knapp.
Am Freitag beginnt es im Süden leicht zu schneien, bis zum Mittag erreicht die Schneefront eine Linie zwischen Rhein-Main-Gebiet und Dresden. "Schritt für Schritt geht es dann nach Norden weiter", sagte der Meteorologe Martin Jonas vom Deutsche Wetterdienst (DWD). Die Schneemengen seien insgesamt aber nicht sehr hoch. Am Samstag soll es dann zu weiteren Schneefällen kommen. An den frostigen Temperaturen ändere sich mindestens bis Mitte der kommenden Woche nichts.
Das eigentliche Problem dabei sei der Wind, sagte Jonas. Dieser könne in Böen Windgeschwindigkeiten von 70 Stundenkilometern erreichen. Dadurch könne es zu Schneeverwehungen kommen, die sich dann in Senken und Mulden aufhäufen könnten. Besonders gefährdet durch Schneeverwehungen ist laut Jonas ein Streifen vom Südwesten über die Mitte Deutschlands bis zum Nordosten. Der DWD gab für mehrere Bundesländer in der Mitte und im Osten Deutschlands Vorwarnungen vor starken Schneeverwehungen aus. Jonas zeigte sich aber zugleich überzeugt, dass es keine "Katastrophentage" gebe.
Erst am Sonntag soll es in den meisten Regionen aufhören zu schneien. Eine Ausnahme ist die Lausitz, wo warme Luft in der Höhe für Schneeregen sorgen kann. Sonst bleibt es beim Dauerfrost, tagsüber liegen die Höchstwerte zwischen minus 1 und minus 8 Grad, nur an der Küste kann der Gefrierpunkt überschritten werden. Nachts können auch zweistellige Minus-Werte erreicht werden, aber die dichte Wolkendecke verhindert extreme Kälte: "Minus 20 Grad wird es nicht", versicherte Jonas.
Bisher zehn Kälte-Tote
Nach den neuesten Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind bisher zehn Obdachlose im Bundesgebiet erfroren. Die Toten sind alle Männer im Alter zwischen 42 und 62. Viele Obdachlose starben auf offener Straße. Die Wohnungslosenhilfe sprach sich erneut für bessere Hilfsangebote in kleinen und mittelgroßen Städten aus. Dort seien die meisten Kälte-Toten zu beklagen Erklärt wurde dies damit, dass es dort oft weniger Hilfsangebote gibt als in Großstädten.
Der Auto Club Europa (ACE) mahnte Autofahrer derweil zur Vorsicht, warnte aber zugleich vor Panikmache. Selbst die üblicherweise "vorbildlich eingestellten" Straßenräumdienste und Pannenhelfer seien keine Garantie dafür, dass alles weiter störungsfrei laufe, erklärte ACE-Sprecher Rainer Hillgärtner. Er rief zugleich zur Gelassenheit auf: "Wir neigen angesichts von Schneeflocken schnell zur Panik und sehen unseren Wirtschaftsstandort bedroht".
Streusalz wird knapp
In Hessen wird derweil das Streusalz zunehmend knapp. Für das Wochenende, wenn neue ergiebige Schneefälle erwartet werden, sind die Räumdienste noch versorgt, sagte ein Sprecher der Straßen- und Verkehrsbehörde in Wiesbaden. Alles Weitere sei abhängig von den Wetterverhältnissen und den Streusalz-Lieferanten. Hessische Großstädte können notfalls auch Split oder Lava-Granulat einsetzen, um Straßen und Wege passierbar zu halten.
In vielen Baumärkten ist Streusalz seit Tagen ausverkauft. In den drei Bergwerken des Kasseler Unternehmens K+S wird seit zwei Wochen rund um die Uhr Salz abgebaut, selbst an den Feiertagen. "In den letzten zwei Wochen hatten wir so viele Aufträge wie sonst in mehreren Monaten", sagte K+S-Sprecher Michael Wudonig. "Als erstes beliefern wir Autobahnmeistereien, Straßendienste und Kommunen in Ballungsgebieten. Am Ende der Kette steht der Einzelhandel." Das Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen will alle verfügbaren Fahrzeuge und Mitarbeiter des Winterdienstes am Wochenende auf die Straßen schicken, sagte Sprecher Stefan Hodes.
Verbraucher weichen unterdessen laut einem Zeitungsbericht zunehmend auf Speisesalz aus. Die "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" berief sich auf einen Sprecher der Lebensmittelkette Edeka. "In Regionen, wo es sehr kalt ist und Schnee liegt, stellen wir fest, dass es eine verstärkte Nachfrage nach Speisesalz gibt", sagte der Sprecher dem Blatt. Während die Nachfrage in Südwestdeutschland nicht kaum zugenommen habe, "steigen an Rhein und Ruhr sowie in Norddeutschland durchaus viele Kunden von Streu- auf Speisesalz um", sagte der Sprecher dem Blatt.