Freitag, 30. November 2007
Der Papst und die Hoffnung: Schöner geht es nicht
Die christliche Hoffnung als Weg aus der Glaubenskrise steht im Mittelpunkt der zweiten Enzyklika von Papst Benedikt XVI.: In dem zwei Tage vor dem ersten Advent veröffentlichten Lehrschreiben "Spe salvi" (Gerettet durch die Hoffnung) betont das katholische Kirchenoberhaupt, dass der Mensch Gott braucht, "sonst ist er hoffnungslos". Die Gegenwart, auch wenn sie mühsam ist, könne gelebt und angenommen werden, "wenn sie auf ein Ziel zuführt und wenn wir dieses Ziels gewiss sein können", schreibt der Papst. Das Dokument ist inspiriert durch den Brief des heiligen Paulus an die Römer.
Gleichzeitig wendet sich Benedikt in dem in der deutschen Übersetzung 64 Seiten langen Dokument gegen Weltanschauungen, Wissenschaft, Politik und Fortschrittsglauben als Ersatz für christliche Hoffnung auf das ewige Leben. "Der Fortschritt bietet unzweifelhaft neue Möglichkeiten zum Guten, aber er öffnet auch abgründige Möglichkeiten des Bösen, die es ehedem nicht gab", heißt es in der Enzyklika.
Vor allem mit Karl Marx und dem Renaissance-Philosophen Francis Bacon geht Benedikt hart ins Gericht. Während Marx in seinem Denken den Menschen und seine Freiheit vergessen habe, sei Bacon dem Irrglauben erlegen, der Mensch werde durch die Wissenschaft erlöst, erklärt der Papst. Er erinnert in dem Dokument die Christen hingegen an "die große Hoffnung, die alles andere überschreiten muss". Die große Hoffnung könne aber nur Gott sein, und auch die Christen müssten neu lernen, "worin ihre Hoffnung wirklich besteht, was sie der Welt zu bringen und nicht zu bringen haben".
Das päpstliche Rundschreiben erscheint gleichzeitig in acht Sprachen, darunter Latein, Englisch und Deutsch. Die erste Enzyklika Benedikts mit dem Titel "Deus Caritas Est" (Gott ist Liebe) war am 25. Januar 2006 herausgekommen. Enzykliken sind verbindliche päpstliche Lehrschreiben, die sich an die gesamte katholische Kirche richten. Sie gelten aber nicht als "unfehlbar".
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