Lehrerstreik im KönigreichSchulfrei für Millionen
4,1 Prozent mehr Lohn wollen die britischen Lehrer und bescherten den Kindern einen schulfreien Tag.
Millionen britische Kinder hatten wegen des ersten landesweiten Lehrerstreiks seit mehr als zwei Jahrzehnten schulfrei. In rund 8000 Schulen in England und Wales fiel der Unterricht aus oder war eingeschränkt, schätzte die britische Lehrergewerkschaft NUT. Nach ersten Angaben waren bis zu 2,5 Millionen Kinder betroffen, viele berufstätige Eltern mussten deshalb zu Hause bleiben.
Insgesamt protestierten landesweit rund 100.000 weitere Angestellte der öffentlichen Dienstes, darunter von der Küstenwache und Regierungsbehörden, um ihren Gehaltsforderungen Nachdruck zu verleihen, sagte Mark Serwotka von der Gewerkschaft PCS. Premierminister Gordon Brown nannte die Aktion "bedauerlich für Eltern und Kinder".
Die Lehrer fordern 4,1 Prozent mehr Gehalt, das Angebot der Regierung liegt bei rund 2,5 Prozent. Der Streik war zunächst auf einen Tag beschränkt, jedoch sagte die Gewerkschaft einen "langfristige Kampagne" voraus. Sie rief am Donnerstag zu 50 Protestveranstaltungen auf.
In London und Liverpool zeigten sich auch andere Angestellte im Öffentlichen Dienst mit den Lehrern solidarisch und schlossen sich Protestkundgebungen an. Mehr als 1000 Menschen marschierten in der Hauptstadt zum Regierungssitz im Stadtteil Westminster, die Polizei sperrte die Gegend weitgehend ab.
Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Lehrers in London beträgt rund 34 000 Pfund (42 500 Euro). Die Regierung argumentiert, dass Lehrer bereits besser bezahlt werden als andere Angestellte im Öffentlichen Dienst. Die Gehaltserhöhungen für Lehrer hätten in den letzten Jahren unter der Inflationsrate gelegen, kritisierte jedoch die NUT-Sprecherin Christine Blower.
Zahlen der Regierung belegten, dass inzwischen fast die Hälfte der Lehrer in den ersten fünf Berufsjahren ihren Job aufgeben, sagte Dennis Gibbons von der NUT in Leeds. Grund seien neben der schlechten Bezahlung auch die Arbeitsbedingungen. Vor allem in London führen die Lehrer gestiegene Lebenshaltungskosten als Argument für ihre Forderungen an.